Eine Frau für alle Zimmer

Immer, wenn Caroline Peters mit Simon Stone zusammenarbeitet, wird sie zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Ein Besuch im «Hotel Strindberg» und eine Begegnung im Café

Auf Tripadvisor hätte das Hotel Strindberg schlechte Karten. Die Zimmer sind zwar auf Vier-Sterne-Niveau ausgestattet, aber leider nur über ein Notstiegenhaus zu erreichen; der Aufzug ist nämlich schon seit Jahren defekt, und anscheinend denkt man gar nicht daran, ihn reparieren zu lassen. Auch, dass es sich im Prinzip um ein Nichtraucherhotel handelt, wird hier offensichtlich nicht so eng gesehen. «Man tut sein Bestes», sagt der Concierge Xavier (Roland Koch) nur achselzuckend, wenn er von einem Gast auf den Ziga­rettengeruch hingewiesen wird.

Die User-Bewertungen für dieses Etablissement wären wohl existenzgefährdend.

Im Hotel Strindberg kann man aber ohnedies kein Zimmer buchen. Erstens ist es voll belegt, und zweitens steht es nur auf der Bühne des Wiener Akademietheaters. Drei Jahre nach seiner Neufassung von Henrik Ibsens «John Gabriel Borkman» hat sich der australische Regisseur Simon Stone auf derselben Bühne den anderen großen Skandinavier der Jahrhundertwende vorgenommen: August Strindberg. Seit «Borkman», seiner ersten Arbeit im deutschsprachigen Raum, hat Stone seine ganz spezielle Form der Klassikeradaption an mehreren Bühnen und in verschiedenen Varianten erfolgreich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Schauspieler*innen des Jahres, Seite 100
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Plädoyer für eine neue Linke

Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten...

Talent zum Privileg

Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen:...

In der Parallelwelt des Familien-Horrors

Ihrer Zeit voraus waren die Radikal-Theater-Avantgardisten Vegard Vinge und Ida Müller ja schon immer. Aber dass sie selbst kon­krete erdrutschartige (National-)Katastrophen antizipieren, darf durchaus als kleines Novum gelten: Wer Ende Mai beim internationalen Musik- und Theaterfestival im norwegischen Bergen die jüngste Vinge-Müller-Produktion «Panini-BoysRoom»...