Gegengewicht für eine bessere Welt
Was soll das denn heißen? Dief Gein?», fragt eine Passantin. Karotten und Frühlingszwiebeln im Einkaufskorb, kommt sie offenbar gerade vom Wochenmarkt auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz. Forsch, fast gereizt, ruft sie ihre Frage in Richtung der Holzbude, die vor dem kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig aufgestellt ist. Die junge Frau, die dort für das Festival Theaterformen arbeitet und wahlweise Kopfhörer für den Audio-Walk «Radio Ghost» oder die abendliche Silent Disco aushändigt, gerät ins Stottern. «Äh, ja, ganz ehrlich, das weiß ich jetzt auch nicht.
Also, ja, aber dort drüben, da hängt ein Schild, da steht die Erklärung drauf.» Doch da hört die Braunschweigerin, geschätzte Ende 50, schon gar nicht mehr zu. «Hauptsache Englisch!», blafft sie genervt und geht weiter. Geht – ohne Erkenntnisgewinn – über den etwa Fußweg-breiten roten Banner, der auf dem Pflaster liegt.
«Deaf Gain» steht in breiten weißen Lettern darauf. «Behindert ist kein Schimpfwort» auf einem zweiten, direkt dahinter. Während letzterer sich schnell und eindeutig erschließt und vermutlich, hoffentlich, mindestens bei der Kindererziehung zum immer wiederkehrenden Mantra geworden ist, bleibt «Deaf Gain» ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Festivals, Seite 20
von Katrin Ullmann
Am 20. August 1991 wartete ich in einer Stadt in den Abruzzen auf Kurt Hübner. Er war in einen Kiosk gegangen, und ich sehe ihn noch heute, wie er zurückkam, mir die deutsche Zeitung hinhielt und die Hände über dem Kopf zusammenschlug: «Putsch in der Sowjetunion – Ausnahmezustand – Präsident Gorbatschow unter Hausarrest.»
Mit Hübner sollte ich an diesem Tag ein...
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