Perestroika-Menschen
Am 20. August 1991 wartete ich in einer Stadt in den Abruzzen auf Kurt Hübner. Er war in einen Kiosk gegangen, und ich sehe ihn noch heute, wie er zurückkam, mir die deutsche Zeitung hinhielt und die Hände über dem Kopf zusammenschlug: «Putsch in der Sowjetunion – Ausnahmezustand – Präsident Gorbatschow unter Hausarrest.»
Mit Hübner sollte ich an diesem Tag ein Interview führen, das erste meines Lebens, für die Zeitschrift «Theater heute». Ich hatte alles über den legendären Bremer Theaterintendanten gelesen.
Wie er Zadek entdeckte, Bruno Ganz, Fassbinder, Kresnik oder Edith Clever. Wie er den berühmten «Bremer Stil» entwickelte! Das Interview fand in seinem Ferienhaus in Montefino statt, wir saßen draußen, gegenüber des mächtigen Bergmassivs Grand Sasso, wo Mussolini nach seinem Sturz festgehalten worden war.
Hübner hatte sich seinen blauen Pullover über die Schulter geworfen, starrte über den Rand seiner schwarzen Brillengläser auf das Bergmassiv und sprach nur über Gorbatschow. Wie dessen «Perestroika» und «Glas -nost» die Welt veränderten. Wie er das Tauwetter für den Kalten Krieg einleitete. Wie er es geschafft hatte, diesen so ungeheuer schlechten Schauspieler Ronald ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Moritz Rinke
Der Krieg, von dem auf der Bühne erzählt werden soll, ist der, der schon vor dem 24. Februar 2022 im Osten der Ukraine herrschte. Drei von fünf relativ jungen Menschen haben in ihm gekämpft: Katya Kotliarova und Slavik Gavianets als Sol -datin und Soldat an der Front, der Schauspieler Roman Kryvdyk als Sanitäter. Oxana Cherkashyna, ebenfalls Profi-Schauspielerin,...
pausen
/ ein schlag
// zwei schlag
/// drei schlag
personal
brünhild
kriemhild
drei nornen
wotan
siegfried
gunther
hagen
gernot
giselher
für die letzten hilden dieser erde
der königinnen streit
brünhild es soll vor königsgattin die eigenholde nimmer gehen.
///
kriemhild ich hör, hör wohl nicht recht heut, liebste schwägerin?
brünhild es soll vor königsgattin...
Das Theater, wie Olivier Py es sieht, ist ein Harlekin. Ewig jung, kokett, unzuverlässig, im buntgescheckten Kleid. Seine große Liebe – es ist schwierig – der erzählende Autor. Es gibt daneben noch weitere On-Off-Beziehungen, zur Poesie, zur Macht, zur katholischen Kirche (wir sind in Frankreich), zur Revolution. Seine Mutter ist die tragische Diva, sein...
