Ein Sportstück
Eine Inszenierung von Hebbels «Nibelungen»-Trilogie, die keine drei Stunden dauert, ist
selten. Die Fassung, die der österreichische Dramatiker und Regisseur Volker Schmidt für das Linzer Theater Phönix erstellt hat, ist aber nicht nur stark eingestrichen. Der Autor Schmidt hat Hebbels Verse zum Teil auch sprachlich bearbeitet, der Regisseur hat für das Stück ein unkonventionelles Setting gefunden: Die Bühne (Georg Liendorfer) ist ein Turnsaal.
Die Nibelungen sind bei Schmidt eine muntere Turner-Riege; einziger äußerer Verweis auf den Ort der Handlung ist das Wormser Wappen auf ihren Leibchen. Gekämpft wird nicht mit Schwertern, sondern auf Pferd und Barren, Trampolin und Kasten; die Tarnkappe, mit der sich Siegfried unsichtbar machen kann, ist eine Fechtmaske. Wenn es bei Hebbel heißt, Siegfried sei «der erste aller Recken», dann ist er bei Schmidt «der erste aller Turner»; und wenn Siegfried erzählt, seine Mutter halte ihn für «viel zu dumm, den kleinsten Maulwurfshügel zu behaupten», dann wird aus dem Maulwurfshügel in der Linzer Fassung ein Medizinball.
Besonders gut funktioniert der Transfer im Zweikampf zwischen Gunther (Ferdinand Kopeinig) und Brunhild (Lisa Fuchs), der ...
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