Ein Schnaps danach
Das Thalia Theater hatte mich gebeten, für Helmut Schmidt ein Stück zu spielen. Ganz privat, in seinem Haus in Langenhorn. «Welches Stück? In was für einem Raum?», fragte ich. «Eines von deinen Solo-Programmen. In seinem Wohnzimmer. Dreißig Minuten Zeit für die Einrichtung.» Gut, dachte ich, dann machen wir «Amerika» von Kafka.
Das Vorhaben schien unwirklich, doch am letzten Freitag im Januar hat es sich dann ereignet. Treffpunkt Thalia Theater.
Hanns, mein Ton- und Lichtmeister, der Verwaltungsdirektor des Theaters und ich packen eine kleine Auswahl von Utensilien zusammen und fahren los.
Das Navigationssystem diktiert den Weg Richtung Langenhorn, hinaus aus dem verschneiten kalten Hamburg. Die einfache, unaufgeregte Architektur der Siedlung wirkt irgendwie beruhigend. Ein freundlicher Sicherheitsbeamte öffnet uns die Türe. Wir betreten eine andere Welt. Viel Teppich, viele Bücher, viele Bilder. Kaum Platz für Theater.
«Sie dürfen hier nichts verändern, kein Stromkabel darf umgesteckt werden.» Ganz will ich mich nicht daran halten, irgendwo zwischen all den Möbeln und Lampen muss ein kleines Fleckchen Platz für Karl Roßmanns Reise nach Amerika geschaffen werden. Vorsichtig ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Philipp Hochmair
Zuerst schiebt sich eine Hand – sie ist runzelig – ins Bild, die in einem Regal nach einer Tüte Milch greift. Eine alte Frau unter einem Kopftuch schlurft an die Ladenkasse und zahlt 49 Pence für das Lebensmittel. Margaret Thatcher kannte immer den Preis – den für Milch, den für die Prosperität Englands, den für die eigene Karriere und den für den Ruhm. Denis, ihr...
Als Jean-Pierre Cornu ein Knabe war, da hatte er vor sich den See und hinter sich den Weinberg. Da lebte er in Twann am Bielersee, in einem jener lauschigen Schweizer Winzerdörfer, wo es sehr guten Wein und sehr gute Würste gibt. Und wie es so ist in Twann, wird dort Schweizerdeutsch und Französisch gesprochen, und jede Jahreszeit ist lieblicher und das Leben ein...
Alle drei Abschnitte des neuen Stücks von Philipp Löhle (Jahrgang 1978) heißen «Kr(e)ise». Also Krise und Kreise. In elliptischen Bewegungen zirkulieren die vier Angehörigen einer Familienbande umeinander, wie Satelliten um ihre Planeten, allerdings in wechselnden Konstellationen. Und auch wenn keine Sonne scheint.
Das «Außerkraftsetzen der Endkrise durch die...
