Ein letzter Souverän
Seine populärste Rolle war 1993 der die deutsche Wiedervereinigung ewig bemeckernde Motzki in der gleichnamigen Fernsehserie von Wolfgang Menge. Jürgen Holtz war in dieser komischen Rolle besonders überzeugend, weil hier ein mit allen Wassern gewaschener echter Herzensossi den Besserwessi verkörperte. Alle Rollen, ob Könige, Arbeiter oder Wissenschaftler, spielte er mit großer Leichtigkeit.
Er agierte als dummer August in der Zirkuskuppel, aber blitzgescheit: ein wissensdurstiger Schauspieler, der Aristoteles, Platon, Shakespeare, Jarry, Artaud und Brecht gelesen hatte und ihre ästhetischen Konzepte, dramaturgischen Ideen, poetologischen Manifeste, Traumbilder und ketzerischen Gedanken rigoros erproben, mit Theater Widerstand gegen die selbstsüchtige Enge und den Kleinbürger-Mief beider Deutschlands leisten wollte.
1932 in Berlin-Tegel geboren, blieb er das einzige Kind einfacher Leute, die keine Nazis waren. Die Mutter unterstützte die Talente ihres Sohns, mit Puppen Theater zu spielen. Als Berlin bombardiert wurde, brachte sie ihren Sohn zu Pflegeeltern nach Franken. Von 1948 bis 1952 war er Internatsschüler, erst in Tegel und nach der Teilung Berlins im Ostsektor. Nach dem ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Nachruf, Seite 16
von Klaus Völker
Man wird sich an solche Anblicke für eine Weile gewöhnen müssen: jede zweite Reihe leer, in den anderen jeder dritte Platz besetzt. Wenn sich erwartungshochgespannte Premierenzuschauerräume nicht zuletzt dank zahlreich anwesender schmallippiger Kritiker*innen für die Schauspieler*innen ohnehin anfühlen wie ein weit geöffneter Kühlschrank, dann kommt es jetzt noch...
Ulrike Syha In den letzten Monaten hat die Corona-Krise unser aller Leben, auch unser Arbeitsleben, bestimmt. Ihre Auswirkungen und die damit verbundenen Veränderungen im Kulturbereich werden das noch lange tun. Das gilt natürlich auch für uns Theaterautor*innen – obwohl ich manchmal glaube, dass uns die volle Wucht der Krise wohl erst im nächsten Kalenderjahr...
Der Kampf mit einem «unsichtbaren Feind» (Zitat u.a. Angela Merkel) bringt uns alle in Lebenssituationen, die gleichermaßen ungewohnt wie ungemütlich sind, und so fremdeln wir alle – mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger gekonnt – mit dem «neuen Normal» der (Post-)Corona-Realität. Sichtbares Accessoire dieses Kampfes, gewissermaßen Signum der eigenen...
