Ein kapitalistisches Weihnachtsmärchen
Es war einmal ein Kind, das wollte endlich mal auch zu Wort kommen, d.h. es war eigentlich kein Kind, aber in Zeiten vor der großen Krise wurde so jemand Kind genannt. Man sagte ihm, es solle erst einmal wirklich zuhören lernen. «Kann ich doch!» entgegnete es seinen Eltern, die eigentlich nicht seine Eltern waren, sondern was anderes, aber die glaubten ihm ohnehin nicht. Also zog es in die Welt, d.h. «die Welt» war mehr so eine Einzimmer–wohnung, wie es sie heute gar nicht mehr gibt, weil Einzimmerwohnungen zu Recht hier niemand mehr will, wir leben heute ja alle zusammen.
In dieser Einzimmerwohnung saß nun unser Kind und hatte an allen drei Wänden Nachbarn, denen es eine Weile zuhörte, bis es auf die vierte Wand aufmerksam wurde, die nach draußen ging, auf den Hof. Da gab es auch viel zu hören. Meist kloppten sich zwei Typen oder es kam zu Streitgesprächen über die Entwicklung irgendwelcher Aktien. «Das ist die Börse!» sagten die Nachbarn zur Linken, «Quatsch, nur die Derivatemärkte!» riefen die zur Rechten, und die, die hinter dem Kind wohnten, meinten gar nichts, machten nur Krach mit ihren Flachbildschirmen, X-Boxen, computergesteuerten Haushaltsgeräten, Schlagbohrern, nein, ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Kathrin Röggla
2./Sonntag
20.15, arte: Ein russischer Sommer
Spielfilm (2009) von Michael Hoffman, mit Helen Mirren, Christopher
Plummer, Anne-Marie Duff, James McAvoy u.a.
12./Mittwoch
22.25, 3sat: Der Knochenmann
Spielfilm (2009) von Wolf Haas, mit Josef Hader, Birgit Minichmayr,
Josef Bierbichler u.a., Regie Wolfgang Murnberger
13./Donnerstag
0.05, arte: Hotel Spielfilm (2004) von...
«Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige» nennt Dimiter Gotscheff seine neueste Inszenierung. Mörder und Opfer bei Shakespeare sind bekanntlich ein weites Feld – aber Sonstige? Mal sehen, hoffentlich nicht unter Sonstiges.
Wenn Thomas Schmauser auf der Bühne von 1 bis 52 zählt (derzeit an den Münchner Kammerspielen in «Gesäubert» von Sarah Kane),...
Bei lebendigem Leib zerstückelt, mit Fußtritten getötet, vom Auto überfahren – tote Kinder sind in Dea Lohers Literatur ein ständig wiederkehrender Schock, um von der Hilflosigkeit des Trauerns zu erzählen. Das verzweifelte Ringen um Tapferkeit, das als Leitmotiv seit Anfang der Neunziger ihre Stücke und auch ihren jüngst erschienenen Roman «Bugatti taucht auf»...
