Ein falsches Spiel
Nichts stimmt an dieser Geschichte. Nicht die Prophezeiung, dass Brunhild, die kampferprobte Königin von Island, und Siegfried, der Drachentöter aus Xanten mit dem magischen Schwert, der Nebelkappe, dem Nibelungenschatz und der gepanzerten Haut, für -einander bestimmt sind. Nicht die Werbung des burgundischen Losers König Gunter um die mächtige Brunhild. Nicht sein Sieg über sie und auch nicht der Geschlechtsverkehr mit ihr. Nicht die Hochzeit seiner Schwester Kriemhild mit Siegfried. Nicht das Wirken der christlichen Religion und nicht das Walten alter Götter.
Nicht die Farben und das Licht in Worms. Nicht der Krieg, der angekündigt wird. Nicht die Rechtsprechung im Land. Nicht die zweite Hochzeit von Kriemhild mit dem Hunnen-König Etzel. Und nicht einmal die Stelle des Rheins, an der Hagen von Tronje den Nibelungenschatz versenkt. Bis heute bleibt der unauffindbar. Und selbst die oft besungene Kleinwüchsigkeit des Nibelungenschatzhüters Alberich muss in Frage gestellt werden.
Jeder spielt hier falsch. Keiner begehrt das Richtige. You can’t always get, what you want. Auch die Geige vergreift sich im Ton und zerschneidet mit ihren reißenden Saiten dem Geiger das Gesicht.
An dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 158
von Sybille Meier
Wenn Wände sprechen könnten, dann würden sie in einem Altbau Geschichten von zahlreichen Menschen erzählen, die aus den verschiedensten Gründen kamen und gingen und sich in ihren Wohnungen in unterschiedlichen Sprachen unterhielten. Ein Umstand sorgt für besonderen Gesprächsbedarf in dem Altbau, den Raphaela Bardutzky zum Schauplatz ihrer «Schaueroper» gemacht hat:...
Vor elf Jahren übernahm Karin Beier ein Theater, das am Boden lag. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das größte Sprechtheater des Landes, war von Friedrich Schirmer in die künstlerische Irrelevanz gesteuert worden, und nachdem Schirmer 2010 überraschend als Intendant zurückgetreten war, verwaltete eine kollektive Intendanz unter Leitung des Dramaturgen Florian...
Frau Yamamoto, über siebzig Jahre alt, war einmal eine Sägewerksbesitzerin, mit Vornamen heißt sie Sole. Sie hat ihren Sohn, einen begeisterten Kletterer, durch einen Unfall in den Dolomiten verloren. Ihr Mann hat sie verlassen. Er lebe jetzt im Norden, wo immer das sein mag, und er habe noch zwei Töchter bekommen. Frau Yamamoto hat danach viel gearbeitet, jetzt...
