Düsseldorf: Die Gemeinwohl-Falle
Politik ist nur Clownerie? Das scheint doch etwas plump gedacht. Es geht um Politik, so sehr wie in keinem anderen Shakespeare-Stück. Alle sind sie Clowns in Tilmann Köhlers Düsseldorfer Inszenierung – das wankelmütige Volk, die Volksvertreter, die nur ihre Funktion sichern wollen, die stolzen Aristokraten, der joviale Senator – alle meinen es ernst, aber alle spielen mit in einer schrecklich lustigen Show. Die Entscheidung, dem Stück eine einheitliche Großmetapher überzustülpen, scheint zunächst willkürlich. Aber eine Setzung rechtfertigt sich nicht vorab, sondern hinterher.
Und das gelingt tatsächlich.
Coriolan, der römische Kriegsheld aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert, taugt nicht zum Konsul, weil er das Volk verachtet, dessen Zustimmung er braucht. Nach seiner Verban-nung läuft er zum Gegner, den Volskern, über, schont aber Rom auf Bitten seiner Mutter, was den Volskern den Vorwand liefert, ihn umzubringen. Vom römischen Super-Patrioten zum Volksfeind und Rom-Vernichter zum gemeuchelten Friedensstifter.
In dem von Bühnenbildner Karoly Risz gebauten hölzernen Bühnenkasten spielt das Ensemble mit großer Lust und Direktheit und ganz ohne die auf der großen Bühne der ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Gerhard Preußer
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Auf die Idee, «Die Umsiedlerin» zu spielen, muss man auch erst einmal verfallen, dieses Frühwerk Heiner Müllers über die Jahre der Bodenreform nach 1945. Wenn Bauern in Blankversen die neue Zeit durchdebattieren: die kommunistischen Versprechungen gegen den Nachkriegsmangel, das Pathos des Aufbruchs gegen den ideologischen Ballast der Nazi-Jahre. Und am Horizont...
Die piekfeine «Kronenhalle» mit weißen Tischtüchern und Kunst an den Wänden, der etwas weniger schicke, dafür architektonisch cool geschwungene Kiosk am Bellevue-Platz, die primärfarbenen Kuben von Le Corbusiers «Heidi-Weber-Haus» im Seefeld und ein Pornokino von der Langstraße: Aleksandar Denic spielt mit seiner Drehbühne im Pfauen ganz auf Zürich, ein mit sich...
