Die Farbe der Tinte

Das FIND-Festival an der Berliner Schaubühne zeigt politisches Theater von der Wooster Group, La-Resentida, Anne-Cécile Vandalem, Teatro Linéa de Sombra und anderen

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An diesem 30. April 1971 in der New Yorker Town Hall ist der amerikanische Schriftsteller und Aktivist Norman Mailer wirklich nicht zu beneiden. Als Moderator der Podiumsdiskussion «A Dialogue on Women’s Liberation» ist er sichtbar damit überfordert, seine vier Gesprächspartnerinnen (und das Publikum) zu disziplinieren.

Sein legendärer männlicher Charme, der nur von seiner rhetorischen Brillanz noch übertroffen wird, stößt hier hartnäckig an Grenzen, die irgendwann eine klare, vernünftige Ansage erforderlich machen: Biologie sei zwar kein Schicksal, erklärt er den Feministinnen, aber eben doch die Hälfte davon. Diese Tatsache zu ignorieren, führe ganz unausweichlich zum schlimmsten aller Totalitarismen – dem linken. Darüber hinaus fehlten dem feministischen Denken ganz wesentliche Momente der Reflektion: nämlich die Schuld bei sich selbst und dem beachtlichen Reservoir an weiblicher Feigheit zu suchen, mit der Frauen ihr erbärmliches sklavisches Leben allgemein begrüßten, die fehlende Anerkennung, wie schwierig das Leben eines Mannes sei – und der erschreckende Mangel an Humor. 

Dass sich die Nachwelt in der Ära #MeToo und Fourth Wave Feminism mit diesem kontroversen, aber auch ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Festivals, Seite 35
von Anja Quickert

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