Berlin: Im Getriebe der Welt
Auf die Idee, «Die Umsiedlerin» zu spielen, muss man auch erst einmal verfallen, dieses Frühwerk Heiner Müllers über die Jahre der Bodenreform nach 1945. Wenn Bauern in Blankversen die neue Zeit durchdebattieren: die kommunistischen Versprechungen gegen den Nachkriegsmangel, das Pathos des Aufbruchs gegen den ideologischen Ballast der Nazi-Jahre. Und am Horizont zeichnet sich bereits die große sozialistische Kollektivierung ab, die Kolchose, die im Osten Deutschlands «Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft» hieß.
Dieser Horizont und mithin die Brisanz der im Stück verhandelten Fragen verblassten ungewöhnlich schnell. Bei der ersten großen Volksbühnen-Aufführung 1976, vierzehn Jahre nach Entstehung des Stücks, sei das Ganze «für die Leute schon eine sehr ferne Geschichte» gewesen, diagnostizierte Heiner Müller in seiner Autobiografie «Krieg ohne Schlacht» (1992). Um wie viel mehr sollte das in unseren Tagen gelten, da man das Spiegelteleskop auspacken muss, um noch einen Schweif versunkenen Lebens darin auszumachen.
Andererseits umwölkt «Die Umsiedlerin» ein geradezu sagenhafter Nimbus. Nach der studentischen Uraufführung 1961 unter B.K. Tragelehn wurde der robuste ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Christian Rakow
An diesem 30. April 1971 in der New Yorker Town Hall ist der amerikanische Schriftsteller und Aktivist Norman Mailer wirklich nicht zu beneiden. Als Moderator der Podiumsdiskussion «A Dialogue on Women’s Liberation» ist er sichtbar damit überfordert, seine vier Gesprächspartnerinnen (und das Publikum) zu disziplinieren. Sein legendärer männlicher Charme, der nur...
Figuren:
Der Architekt
Der Kellner
Er
Die Mitte der Gesellschaft (Drei Damen mit Haltung)
Eine Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte
und
Der ganze Rest
Der ganze Rest kann live oder auch nur im Video-Format auftreten. Eine Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte wäre in letzterem Fall nur Off-Stimme im Video. Die physische Anwesenheit der betreffenden...
Die piekfeine «Kronenhalle» mit weißen Tischtüchern und Kunst an den Wänden, der etwas weniger schicke, dafür architektonisch cool geschwungene Kiosk am Bellevue-Platz, die primärfarbenen Kuben von Le Corbusiers «Heidi-Weber-Haus» im Seefeld und ein Pornokino von der Langstraße: Aleksandar Denic spielt mit seiner Drehbühne im Pfauen ganz auf Zürich, ein mit sich...
