Dr. Otto Wallenstein
Dr. Sven-Joachim Otto ist trotz seiner jungen Jahre ein erfahrener Schauspieler. 1999, mit gerade 29 Jahren, spielte er auf einer mittleren Provinzbühne schon eine Protagonistenrolle: Er ließ sich als CDU-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt der Stadt Mannheim aufstellen, unterlag, blieb aber dem Polittheater treu. Trotz eines zweiten, demütigenderen Absturzes: Als Otto 2004 zum Kämmerer gewählt werden sollte, versagten ihm mindestens fünf Kollegen seiner eigenen Fraktion in geheimer Abstimmung die Gefolgschaft.
Aufstieg und Fall eines Politikers – wenn man Heide Simonis nicht zur Hand hat, ist Richter Dr. Otto mehr als zweite Wahl.
Dass ein reduziertes Rimini-Protokoll (Stefan Kaegi stellte zeitgleich in Basel eine Miniaturmodellschweiz auf die Bühne) mit ihrer Auftragsproduktion für Mannheim und Weimar zum Schiller-Jahr, «Wallenstein – eine dokumentarische Inszenierung», einen veritablen Hit landete, hat nicht zuletzt mit solch gewieftem Casting zu tun. Erstmalig hatten sich Helgard Haug und Daniel Wetzel kein Thema (wie in «Deadline» die Sterbeindustrie, in «Sabenation» die Abwicklung der Sabena), sondern einen klassischen Text vorgenommen, aus dem sie Figuren und Konflikte ...
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Theater heute August/September 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Barbara Burckhardt
Seit einem Jahr ist Sewan Latchinian Intendant der «Neuen Bühne» in Senftenberg. Abends ist es hier still. Der Senftenberger See, ein ausgekohltes ehemaliges Tagebaurevier (1973 auf staatliche Weisung geflutet), ist mit seinen 1300 Hektar Wasseroberfläche, Tiefe bis 19 Meter, der erste in einer sich weithin verflechtenden Seenkette, die diesem ausgepowerten...
In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im...
Sehr geehrter Herr Detje,
wenn ich wirklich der Auftragskiller unserer Wahrnehmungsfähigkeit bin, dann sind Sie mir offensichtlich durch die Lappen gegangen. Ihre Wahrnehmungsfähigkeit scheint mir nicht nur intakt, sondern sogar aufs höchste, beinahe neurotische zugespitzt. Ihren ultraverfeinerten Wahrnehmungsorganen haben Sie Nuancen abgerungen, die außer Ihnen...
