Do it Yourself: Die Aerosolproduzierer
Einmal an diesem Vormittag Anfang Juni, einmal, es ist ein kurzer, unbedachter Augenblick, da fasst sie Tilman Strauß kurz an die Schulter. «Das ist das erste Mal, dass mir das passiert», erschreckt sich Karin Beier. Kurz ist sie irritiert, hält inne. Dann greift sie zu der kleinen Schachtel auf ihrem Regietisch, zupft ein Desinfektionstuch heraus und reinigt sich die Hände. Beier probt gerade Rainald Goetz’ neues Stück «Das Reich des Todes». Am 11. September soll am Hamburger Schauspielhaus die Uraufführung stattfinden.
Tilman Strauß spielt darin einen Gefangenen.
Jetzt setzt er seinen Monolog erneut an. Die Bühne – nur vereinzelt stehen ein paar weiße Tische und Stühle darauf – dreht sich, schemenhafte Schwarzweißprojektionen flackern über eine riesige Leinwand, im Hintergrund spielen fünf Live-Musiker*innen, und seitlich tanzen zitternd, zuckend drei Tänzer. Es sieht wuselig aus auf der Bühne, und doch ist es ein sehr klar geordnetes Gewusel. Mit ausreichend Abstand, fast einzelnen Rauminseln, zwischen allen Mitwirkenden.
Doch wo sind eigentlich die angekündigten Schwimmnudeln? «Wir benutzen die immer mal wieder, um sich an den nötigen Abstand zu erinnern», berichtet der ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Katrin Ullmann
Corona-Virus-Kontaktverbote: Es scheint auf der Welt kein anderes Problem zu geben! ZDF-Heute, ARD- Tagesschau (in der Regel 19 von 20 Minuten), die Tages- und Wochenzeitungen: Kaum eine andere Nachricht hat noch Platz. Die Heuschrecken in Afrika, die Probleme in den Lagern der Flüchtlinge, das Ende der richterlichen Unabhängigkeit in Polen: alles ins Nebenfach...
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Verena Großkreutz Herr Kosminski, wie haben Sie während des Corona-Shutdowns Kontakt gehalten zum Publikum?
Burkhard C. Kosminski Wir sind mit digitalen Angeboten online gegangen. Allerdings sehr dezent, denn das Streamen ist meiner Meinung nach eher was für ein Haus mit einer großen Theatergeschichte wie die Berliner Schaubühne oder das Berliner Ensemble. Die...
