Die Wurzelgrabung

Sebastian Hartmann erweitert in Dresden Dostojewskis «Schuld und Sühne» zu einer globalen Gewaltgeschichte

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In Fjodor Dostojewskis 1866 erschienenem Roman «Schuld und Sühne» begeht der Jurastudent Raskolnikow einen politisch motivierten Mord, dessen krude Gedankenbasis uns Kindern des 20. und 21. Jahrhunderts leider vertrauter ist, als wir das gern hätten. Intellektuell hochbegabt, aber ökonomisch unterprivilegiert, wird Raskolnikow in seiner ärmlich-abgerockten Behausung in Sankt Petersburg bekanntlich von terroristischem Gedankengut befallen und beginnt, im irrigen Dienste eines höheren Menschenideals, berechtigte von unberechtigten Humanexistenzen zu unterscheiden.

Um das «lebenswerte» Leben zu erhalten und zu pushen, sei die Vernichtung des «lebensunwerten» – so Raskolnikows eigentümliches Theorem – den «großen Menschen» unter dieser Sonne mindestens erlaubt, wenn nicht sogar aufgegeben.

Die alte Pfandleiherin Aljona Iwanowna, bei der der junge Mann hoch verschuldet ist und die ihn zu Beginn des Romans (offenkundig wiederholt) demütigt, indem sie über seine schweren Herzens dargereichte Silberuhr die Nase rümpft, gehört in dieser Verhältnisgleichung freilich zur letzteren Kategorie: Raskolnikow klassifiziert die Kopekenfuchserin als «Laus», von deren Tod die Menschheit nur ...

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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Christine Wahl

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