Die Toten und die Lebendigen
Ein gewisses Geisterbahnflair ist dem Abend nicht abzusprechen. Aber wenn Karin Henkel Horváths «Geschichten aus dem Wiener Wald» inszeniert, klappern auf der Pfauenbühne des Schauspielhauses keine Knochen. Die Regisseurin hat sich mit Henrike Engel (Bühne und Kostüm) für eine geräuscharme Skelettvariante entschieden; Fritz Fenne, Kate Strong und die Musiker der Band «Dead Brothers» tragen schwarze Kleidung mit weiß aufgemalten Rippen.
Und natürlich hat das Skelett seinen Ursprung in Horváths Text, nicht umsonst gilt Karin Henkel als genaue Leserin: Es stammt aus einer Regieanweisung (für die Laden–auslage des Zauberkönigs) und landet wundersam vermehrt auf der Bühne. Fünf Knochenmänner und eine Knochenfrau feiern also an diesem Abend eine Party mit viel melancholischer Musik und holen den Tod aus dem Zwischenraum der Zeilen von Horváths Stück.
Das ergibt durchaus Sinn. Allenthalben zitieren die Figuren verstorbene Mütter oder Ehemänner, wenn es ihnen denn gerade in den Kram passt. Viel wichtiger aber: Diese Leute sind zwar noch lebendig, innen aber wie tot.
Von der Wirtschaftskrise sind diese Figuren gebeutelt. «In unseren Tagen» spiele das Stück, so Horváth 1931. Mühelos lassen ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Ellinor Landmann
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