Die Sprache der Vögel
Drei Mal hebt Caren Jeß zur Vorstellung ihres Theaterstücks «Bookpink» an.
Beim vierten Mal schließlich klappt es, und die Autorin zählt fokussiert, ja feurig in die Kamera auf: «Wenn ich in drei Worten beschreiben sollte, worum es in ‹Bookpink› geht, dann würde ich sagen: Chancenungleichheit, Religion, Konstruktivismus, Esoterik, Exotismus, eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung, Gender, Geschlechtervielfalt, der Kampf um Gleichberechtigung, Einsamkeit, Barock, Pommes, Asbest, Vernunft, eine rote Tulpe, eine selbstverliebte Narzisse … aber» – hier bricht Jeß in helles, sprudelndes Gelächter aus – «fragen wir doch am besten die Vögel selbst, worum es in ‹Bookpink› geht!» Abschließend reckt sie die Fäuste: «Juhu, das war richtig gut!»
Tatsächlich übersetzt der Auftakt von Caren Jeß’ selbstkonzipiertem Vorstellungsvideo für den Heidelberger Stückemarkt 2019 die ästhetischen Verfahren von «Bookpink», plattdeutsch für «Buchfink», treffend ins Filmische. Gleich im ersten der sieben von insgesamt 18 Vögeln bevölkerten Kurzdramen, die zusammen ein «dramatisches Kompendium» bilden, wird nämlich die Wendung «in drei Worten» ähnlich ad absurdum geführt. Denn der Dreckspfau, der sich unter ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Eva Behrendt
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