Die letzten Tage der Menschheit
Der Münchner Alexander Giesche ist ein Regisseur der letzten Generation. Anstatt sich auf Straßen festzukleben, lässt er auf der Bühne die Melancholie der Menschheit aufgrund der Zerstörung ihrer Lebensgrundlage greifbar werden. Wir schaffen uns selbst ab, das kann durchaus traurig werden. Giesche hat einen neuen Ton ins Theater gebracht, erst jetzt merkt man, wie sehr sonst gebrüllt wird.
Bei Giesche ist alles leise und langsam, sozusagen ein Memento mori in Zeitlupe – insofern ist er Susanne Kennedys futuristischen Verlorenheitssettings gar nicht unähnlich, nicht unbedingt in der visuellen Bühnensprache, aber durchaus in der Haltung.
Auf den ersten Blick passt ein Sci-Fi-Stoff also sehr gut zu diesem Theatermacher, der seine Abende «Visual Poems» nennt. Die dänische Lyrikerin Olga Ravn hat mit «Die Angestellten» (2021) einen Roman geschrieben, der eine Untersuchung der Arbeitsverhältnisse im 22. Jahrhundert sein möchte – sie landete damit auf der Shortlist für den Booker Prize. Auf einem Raumschiff teilen sich Menschen und Humanoide die Arbeit; wir erfahren, dass die Tiere ausgestorben sind und sie die Erde zurücklassen mussten. Es hat Witz, wenn Humanoide nicht verstehen, warum ...
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Theater heute März 2024
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Karin Cerny
Uraufführung 16.12.2023, Schauspiel Leipzig, Regie: Elsa-Sophie Jach
© Suhrkamp Verlag Berlin 2023
1 Tochter
Nur ein Brautraub
das ist Brauch
und die Cousins
sind auch der
Braut im Auto nachgebraust
über die Landstraßen
rasen sie überdrehen
sie übertreiben sie treiben
sich an treiben voran sich
voreinander her
überschätzen sich
verschätzen sich
überschlagen falsch
...
Zarin Katharina hat mal wieder Langeweile. Die Arme leidet an «Low Boredom Threshold», niedriger Toleranz für Langeweile. Ihr neuester Therapie-Einfall: Ein Anruf bei Denis Diderot (1713–1784) – wozu lebt man im Zeitalter der Handykom -munikation? Ein bisschen Aufklärung kann auch an Katharinas Hof nicht schaden. Der französische Philosoph und Herausgeber der...
Ich passe doch durch keine Tür», das war seine Antwort auf die Frage, ob er nach dem Ende seiner Bochumer Intendanz noch eine weitere anstrebe. Gemeint war, «die haben alle Angst vor mir». Diese Mischung aus Selbstsicherheit, Selbstironie und Anklage war typisch. Er war ein Mensch von großem Format. Die Türen der deutschen Theater hat er immer wieder eingerannt, so...
