Die Kunst der Depression
In «Ausweitung der Kampfzone» von 1994 steckt schon der ganze spätere Houellebecq. Ein etwas antriebsschwacher Ich-Erzähler mit akademischem Hintergrund in einigermaßen gesicherten ökonomischen Verhältnissen verliert langsam die Sinnbezüge zu seinem Leben und trudelt zunehmend distanziert durch ein paar zufällig und ziellos erscheinende Alltagsstationen Richtung Abgrund. Währenddessen beschreibt er mit hellsichtigem Sarkasmus – der trockene Humor verlässt ihn nie – sich und und seine Umgebung.
Unterwegs stolpert er noch durch eine lockere Reihe improvisierter essayistischer Betrachtungen, wie unsere gegenwärtige Gesellschaft angeblich so funktioniert. Sie kommt dabei im Großen und Ganzen nicht besonders gut weg: solide Zivilisationskritik im jeweils aktuellsten Update. Eine für deutschsprachige Bühnen seit bald zwei Jahrzehnten unwiderstehliche Mischung.
In Houellebecqs erstem Roman von 1994 steht ein 30-jähriger Agraringenieur und Informatiker – biografisch dem Autor nicht unähnlich – vor den üblichen Herausforderungen des Lebens. Er ist einigermaßen erfolgreich und gut bezahlt, arbeitet in einer Firma, die ihn nicht interessiert, und in einem eher langweiligen Job, der ihn ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
Er hatte schon im Vorfeld seinen Respekt vor dieser Bühne kundgetan, ihrer Größe, ihrer Tiefe, ihrer Geschichte. Thorleifur Örn Arnasson, der 41-jährige isländische Regisseur, dessen Name spätestens seit seiner hannoverschen Mythenüberschreibung «Edda» 2018 (die er jetzt fürs Burgtheater aktualisiert) in Theaterkreisen zirkulierte, wusste, was er sich antat, als er...
«The End» prangt von Beginn an als Leuchtreklame auf dem Königs-Bungalow, und der Horizont dahinter wölkt sich in Nina Pellers Bühnenbild leuchtend wie im Abspann eines 50er-Jahre-Westerns in Technicolor. Doch das Ende ist das eine, was danach kommt, das andere. Weg mit den weißen alten Männern, das ist inzwischen fast überall der Konsens der Stunde; und...
Die Tochter des englischen Schwerromantikers Lord Byron und seiner kurzzeitigen Gattin Annabella Milbanke hatte einiges an elterlichen Widersprüchen auszuhalten: vom Papa einen Hang zur kreativen Träumerei, von der Mutter eine solide mathematische Ausbildung und die strengen Exerzitien der viktorianischen Disziplinargesellschaft. Beide(s) zusammen ergab eine...
