Die Kunst der Selbstdarstellung
Julia Hummer macht Würgegeräusche», diktiert Julia Hummer dem«Tagesspiegel»- Reporter ins Gerät. Der hatte gefragt, wie sie denn zum Theaterspielen stünde. Oh nein, bloß das nicht: «Ich kann es nicht oder will es nicht, dieses große Ausspielen.
»
Die Schauspielerin und Musikerin Julia Hummer ist die toll Authentizität performende Protagonistin in Tatjana Turanskyis Film «Top Girl», sie spielt eine alleinerziehende Mutter und Schauspielerin, die ihr Arbeitsfeld in die sehr viel besser zahlende Prostitution verlagert hat, auch das ja nur eine Art von Inszenierung, in der die Grenzen zwischen Intimität und Rollenspiel verschwimmen.
«Top Girl», der zweite Film in Turanskyis geplanter Trilogie über Frauen und Arbeit, lief im Forum, einer der zahlreichen Nebenreihen der diesjährigen Berlinale. Dorthin musste man sich auch begeben, wollte man die wenigen deutschen Theatergesichter finden, die es in diesem Jahr vor die Kamera geschafft haben. Das war in den letzten Jahren noch anders, da waren es neben vielen anderen Nina Hoss (in Christian Petzolds «Barbara») und Sandra Hüller (in Hans Christian Schmids «Requiem»), die groß im Berlinale-Wettbewerb aufliefen und am Ende Silberne Bären ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Berlinale, Seite 40
von Barbara Burckhardt
Sie liebt Figurentriaden und hat nach «Muttersprache Mameloschn» (Großmutter, Mutter, Tochter), «Muttermale Fenster blau» (Großvater, Mutter, Sohn) und «Schwimmen lernen» (Ehemann, Ehefrau, Geliebte der Gattin) nun ein viertes dreiblättriges Kleeblatt in einem Stück zusammengeführt.
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