Die Kompromisslose
Zuerst schiebt sich eine Hand – sie ist runzelig – ins Bild, die in einem Regal nach einer Tüte Milch greift. Eine alte Frau unter einem Kopftuch schlurft an die Ladenkasse und zahlt 49 Pence für das Lebensmittel. Margaret Thatcher kannte immer den Preis – den für Milch, den für die Prosperität Englands, den für die eigene Karriere und den für den Ruhm. Denis, ihr Ehemann (Jim Broadbent), ist längst tot, aber er sitzt mit am Frühstückstisch und teilt mit ihr das Geisterhaus der Erinnerungen.
Ihr Versuch, das Angesammelte in den Schränken und in den Ablagerungen ihres Gehirns zu entrümpeln, setzt die dramaturgische Mechanik dieser Film-Biografie in Gang. Dies und das Halluzinieren.
Die frühere Premierministerin leidet an Alzheimer. Von der Gegenwart des Gedächtnis–schwunds aus betreibt sie Selbstbeschau, ohne dass die Technik der Rückblende hier sonderlich souverän, originell und Erkenntnis stiftend bedient würde. (Wie sehr trägt im Vergleich Clint Eastwoods Montage-Methode in «J. Edgar» zur Entschlüsselung seiner Hauptfigur Hoover bei.) In «The Iron Lady» stellt sie unter der Regie von Phyllida Lloyd eher den Notnagel dar, an dem die verschiedenen Porträts der 1925 geborenen ...
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Theater heute März 2012
Rubrik: Magazin: Kino, Seite 60
von Andreas Wilink
Oh, wie schön war es in Chioggia, als es Nuran David Calis noch nicht zu einem Schnellrestaurant gemacht hatte. Was im 16. Jahrhundert noch ein redlicher Fisch war, ist heute allenfalls ein Hamburger, so traurig ist die Gegenwart. Toilette und Küche der Kneipe, wo mal choreografiert geprügelt, mal heimlich geraucht wird, werden per Live-Kamera ebenfalls nach vorne...
Als Jean-Pierre Cornu ein Knabe war, da hatte er vor sich den See und hinter sich den Weinberg. Da lebte er in Twann am Bielersee, in einem jener lauschigen Schweizer Winzerdörfer, wo es sehr guten Wein und sehr gute Würste gibt. Und wie es so ist in Twann, wird dort Schweizerdeutsch und Französisch gesprochen, und jede Jahreszeit ist lieblicher und das Leben ein...
Gelächter gleich in der ersten Minute. Eine Horde drolliger Insassen von irgendwas lümmelt auf Kinderstühlen, getriezt von einer ruppig-patenten Kommandeuse in Schuluniform und Pumuckl-Perücke – nicht gerade das, worauf man bei Sarah Kane gefasst ist. Und doch hat dieser mutwillig-regressive Schabernack, den Johan Simons da auf fast leerer Bühne der Münchner...
