Hellsichtige Auslöschung
Gelächter gleich in der ersten Minute. Eine Horde drolliger Insassen von irgendwas lümmelt auf Kinderstühlen, getriezt von einer ruppig-patenten Kommandeuse in Schuluniform und Pumuckl-Perücke – nicht gerade das, worauf man bei Sarah Kane gefasst ist. Und doch hat dieser mutwillig-regressive Schabernack, den Johan Simons da auf fast leerer Bühne der Münchner Kammerspiele treiben lässt, vielleicht mehr mit Kanes schwarzer Romantik, mit der expliziten Drastik ihrer Bild-Sprache und der kindlich-trotzigen Suche nach der totalen Liebe zu tun, als man auf den ersten Blick meint.
Zumindest besteht hier nicht die Gefahr, in Gewalt-Kitsch zu stranden, was man bei Kane-Inszenierungen auch schon gesehen hat, und schließlich können gerade Kinder moralfrei grausam sein und den Dingen auf hemmungslos zerstörerische Weise auf den Grund gehen.
Als Theater Rock’n’Roll war
Um Liebe, Krankheit, Tod und das prekäre Leben dazwischen kreist das Werk der jungen, erfolgsverwöhnten und von Depressionen heimgesuchten Dramatikerin, die 1993 mit ihrem ersten Stück «Zerbombt» zum Shooting Star des grellen britischen «in-yer-face-theatre» wurde und sich 1999 in einer Londoner Psychiatrie erhängte. Damals, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen
Orgon hat Geld und Stil, das sieht man gleich: Ein weißes Sofa steht in seinem meterhohen Wohnraum, daneben ein paar Design-echte Freischwinger und eine marmorne Deko-Kugel. Der Teppich ist saftig grün, die Tapeten sind floral gemustert, und von der Decke baumeln gleich drei Kristalllüster. Thomas Heick hat diese Habitat-Katalogwelt für den Lübecker «Tartuffe»...
Bis dato hatte die Generalstochter Hedda Gabler relativ ruhig zugehört, als ihr Mann von temporären Entbehrungen sprach. Aber dass sie allen Ernstes auf ihre Pilates-Stunden verzichten soll, nimmt sie ihm jetzt wirklich übel. Unter diesen Umständen, teilt Hedda dem mediokren Kulturhistoriker mit, der auf den letzten Metern an einer sicher geglaubten Professur zu...
Als Jean-Pierre Cornu ein Knabe war, da hatte er vor sich den See und hinter sich den Weinberg. Da lebte er in Twann am Bielersee, in einem jener lauschigen Schweizer Winzerdörfer, wo es sehr guten Wein und sehr gute Würste gibt. Und wie es so ist in Twann, wird dort Schweizerdeutsch und Französisch gesprochen, und jede Jahreszeit ist lieblicher und das Leben ein...
