Hellsichtige Auslöschung

Johan Simons entdeckt Sarah Kanes Theatertexte «Gesäubert/Gier/4.48 Psychose» neu an den Münchner Kammerspielen

Theater heute - Logo

Gelächter gleich in der ersten Minute. Eine Horde drolliger Insassen von irgendwas lümmelt auf Kinderstühlen, getriezt von einer ruppig-patenten Kommandeuse in Schuluniform und Pumuckl-Perücke – nicht gerade das, worauf man bei Sarah Kane gefasst ist. Und doch hat dieser mutwillig-regressive Schabernack, den Johan Simons da auf fast leerer Bühne der Münchner Kammerspiele treiben lässt, vielleicht mehr mit Kanes schwarzer Romantik, mit der expliziten Drastik ihrer Bild-Sprache und der kindlich-trotzigen Suche nach der totalen Liebe zu tun, als man auf den ersten Blick meint.

Zumindest besteht hier nicht die Gefahr, in Gewalt-Kitsch zu stranden, was man bei Kane-Inszenierungen auch schon gesehen hat, und schließlich können gerade Kinder moralfrei grausam sein und den Dingen auf hemmungslos zerstörerische Weise auf den Grund gehen.

Als Theater Rock’n’Roll war

Um Liebe, Krankheit, Tod und das prekäre Leben dazwischen kreist das Werk der jungen, erfolgsverwöhnten und von Depressionen heimge­such­ten Dramatikerin, die 1993 mit ihrem ersten Stück «Zerbombt» zum Shooting Star des grellen britischen «in-yer-face-theatre» wurde und sich 1999 in einer Londoner Psychiatrie erhängte. Damals, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Die Wiege der Krise

Am 22. Mai 1963 wurde der linke Oppositionspolitiker Grigoris Lambrakis in Thessaloniki auf offener Straße von einem Motorrad angefahren und getötet. Vier Jahre nach dem Attentat übernahm die Militär-Junta die Macht in Griechenland. Inzwischen herrscht längst wieder Demokratie in dem Land, das sie bekanntlich erfunden hat, viele Straßen in der Innenstadt wurden in...

Flüstern war gestern

Es ist für uns unglaublich schwierig, diese Stelle kompetent zu besetzen.» Ist hier die Rede von einer Hauptdarstellerin oder einem neuen Chefdramaturgen? Nein: Tobias Veit, der künstlerische Produktionsleiter der Berliner Schaubühne, stöhnt über die nicht enden wollende Suche nach einer neuen Souffleuse.

Wie schwer kann es schon sein, mit dem Textbuch in der Hand...

Theater heute

Die Theaterzeitschrift
im 53. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Friedrich Berlin Verlag

Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit
Marion Schamuthe

Gestaltung
Christian Henjes

Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift
Knesebeckstr. 59–61, 10719 Berlin,
Telefon 030/25 44 95 10, Fax...