Die Geburtshelfer
Es ist wie ein Besuch in einer basisdemokratisch geführten politischen Wohngemeinschaft: Eigentlich wollte man zwei Leute aus der WG zu einer Party einladen. Ganz naiv, ohne sich etwas dabei zu denken. Und nun, am Gemeinschaftsküchentisch sitzend, stellt sich doch ein schlechtes Gewissen ein: Warum hat man nicht gleich alle eingeladen? Warum spaltet man die Gruppe? Und überhaupt: Wozu braucht man eigentlich Partys? Echt unsensibel fühlt man sich plötzlich.
Das Wiener Schauspielhaus unter Andreas Beck, seit 2007 ein Hort der zeitgenössischen Dramatik, unterscheidet sich nicht nur thematisch von herkömmlichen Theatern. Es herrscht eine eigenwillige Musketierverschworenheit im Ensemble, das sich tatsächlich als Ensemble begreift: alle für einen, einer für alle. Max Mayer und Thiemo Strutzenberger jedenfalls sitzen einigermaßen betreten beim Gespräch für ein Doppelporträt da. Sie wollen wissen: Warum ausgerechnet wir beide? Unausgesprochen steht in der mit Kostümen vollgestopften Schneiderei, wo gerade Paul Claudels ausuferndes Glaubensdiskussionsstück «Der seidene Schuh» geprobt wird, im Raum: Wir sind nur zwei von vielen. Warum werden nicht auch die beiden anderen männlichen Akteure ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Akteure, Seite 24
von Karin Cerny
Bei allen Krisen, die das Hamburger Schauspielhaus regelmäßig (und derzeit besonders intensiv) durchmachen muss, kann man sich doch auf eines verlassen: Egal, wie schlimm es zugeht, die Verschränkung des größten deutschen Sprechtheaters mit dem hanseatischen Popkultur-Untergrund funktioniert zuverlässig. Entsprechend scheint die Dramatisierung von Tino Hanekamps...
Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen. Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön, wie einen abzuschießen», schwärmt im Juli 1940 ein Deutscher namens Pohl, Oberleutnant der Luftwaffe, zur damaligen Zeit Kriegsgefangener. Dokumentiert haben Sätze wie diese Briten und Amerikaner, die während des Zweiten Weltkriegs...
Der vorletzte Frankfurter Auftritt von Michael Thalheimer war gewichtig. Er begann in der tieferen Finsternis, die sozusagen der natürliche Zustand der riesigen Frankfurter Bühne ist, mit schweren Schritten und Schlagschatten. Die Schauspielerin Josefin Platt setzte donnernd einen Fuß vor den anderen, und jedes Mal knallte der Kothurn. Es war der passende Auftakt...
