Herzogtum Güterbahnhof
98.171 Senkkopfschrauben, 2147m2 Gipskartonplatten, 55 Kästen Bier – dies ist nur ein kleiner Auszug aus der eindrucksvollen Materialbilanz, die die Technikabteilung des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz, das in der vergangenen Spielzeit unter einem schweren Wasserschaden litt, auf einer Seite im Programmheft zu «Malfi!» zieht.
Tatsächlich haben die Gewerke für das Sommertheaterspektakel im Alten Güterbahnhof schier Unglaubliches geleistet und das Innere des riesigen Gebäudes in eine labyrinthische und detailverliebte Landschaft aus Sälen, Kammern und Gängen verwandelt.
Die historische Familientragödie des Shakes -peare-Zeitgenossen John Webster spielt zu Beginn des 16. Jahrhunderts, handelt von der nicht standesgemäßen Ehe der Herzogin und ihren neidischen oder inzestuös verstrickten Brüdern, die diese mit Hilfe des Spions Bosola – gespielt von der springteufeligen Emilie Haus – verhindern wollen. Gender- und Herrschaftstrouble also! Vor der Rampe des Güterbahnhofs, wo sich vor Vorstellungsbeginn die Zuschauer:innen zwischen Imbiss- und Getränkestand versammeln, zeichnet sich bereits ab, dass man es hier mit der historischen Korrektheit angenehm ungenau nimmt: Das unters ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Eva Behrendt
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