Herzogtum Güterbahnhof

nach John Webster «Malfi!» im Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz, Alter Güterbahnhof

Theater heute - Logo

98.171 Senkkopfschrauben, 2147m2 Gipskartonplatten, 55 Kästen Bier – dies ist nur ein kleiner Auszug aus der eindrucksvollen Materialbilanz, die die Technikabteilung des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz, das in der vergangenen Spielzeit unter einem schweren Wasserschaden litt, auf einer Seite im Programmheft zu «Malfi!» zieht.

Tatsächlich haben die Gewerke für das Sommertheaterspektakel im Alten Güterbahnhof schier Unglaubliches geleistet und das Innere des riesigen Gebäudes in eine labyrinthische und detailverliebte Landschaft aus Sälen, Kammern und Gängen verwandelt.

Die historische Familientragödie des Shakes -peare-Zeitgenossen John Webster spielt zu Beginn des 16. Jahrhunderts, handelt von der nicht standesgemäßen Ehe der Herzogin und ihren neidischen oder inzestuös verstrickten Brüdern, die diese mit Hilfe des Spions Bosola – gespielt von der springteufeligen Emilie Haus – verhindern wollen. Gender- und Herrschaftstrouble also! Vor der Rampe des Güterbahnhofs, wo sich vor Vorstellungsbeginn die Zuschauer:innen zwischen Imbiss- und Getränkestand versammeln, zeichnet sich bereits ab, dass man es hier mit der historischen Korrektheit angenehm ungenau nimmt: Das unters ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Zirkel, Keil, Kreis

Was macht der Mond über Soho? Er leuchtet, scharlachrot. Schwebt aber nicht liebevoll-frei, besänftigend über Menschen und Dingen. In ihm steckt ein Stachel, auch rund um den Himmelskörper gruppieren sich farbige Figuren, denen das Sentimental-Sehnsüchtige abgeht. Sie alle sind Teil eines Bühnenbildes von Magda Willi, das dem Suprematismus nachempfunden ist und die...

Eine jüdische Odyssee

Fast verwehte Spuren» nannten Albert Klein und Raya Kruk 1994 ihren Versuch, das Leben und die künstlerischen Wege des jüdischen Schauspielers Alexander Granach darzustellen, der 1933 emigrieren musste, in Warschau, in der Ukraine und Russland in jiddischer, polnischer und russischer Sprache Theater spielte, 1937 in die Schweiz ausreisen konnte und rechtzeitig vor...

Das Dilemma der Revolution

Man muss ein Mensch sein.» Was ist ein Mensch? Ist der Mensch ein Tier? Ein Mensch sein – eine große Aufgabe. Eine Frau sein, eine noch größere? Die Fragen könnten nicht grundsätzlicher sein, der Bühnenaufwand nicht geringer. Ein leerer Wohnzimmerkasten mit Sofa und Schreibtisch, in der Mitte eine Schiebetür, das ist alles. Große Fragen, wenig Worte. «Man darf kein...