Vermessungen der Liebe
Auch wenn es für derartige Prognosen vielleicht noch etwas früh ist, Sarah Kanes schmales Werk dürfte aller Voraussicht nach zu dem Wenigen gehören, was von der Dramatik der neunziger Jahre bleiben wird – eine Entwicklung, die es mit sich bringt, dass die fünf Stücke, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wie explosives Gefahrengut in der schmuddelbunten Welle der jungen britischen Trash-Stücke schwammen, derzeit an deutschen Bühnen verstärkt auf ihre Repertoiretauglichkeit hin überprüft werden.
Nach der vollständigen Kane-Kollektion an der Berliner Schaubühne bringt das Bayerische Staatsschauspiel nach «Phaidras Liebe» nun «Gier» heraus – und fördert dabei neben dem unvermeidlichen Weltschmerz der Kaneschen Selbstanalyse zeitlose Schönheit in der Vermessung menschlicher Liebes(un)fähigkeit zu Tage.
Ihren Plan, die mit «Zerbombt» und «Gesäubert» begonnene Trilogie mit einem dritten Stück über atomare Zerstörung abzuschließen, hatte Kane bereits wieder aufgegeben, als sie 1997 «Gier» verfasste und bei einer Lesung zunächst unter Pseudonym vorstellte, um das neue Werk zumindest eine Zeit lang vor ihrem Ruf als berüchtigtes «bad girl» oder «new brutalist» zu schützen. In der Tat gelang ...
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