Die Erfindung der alten Leier
Auf dem Internationalen Flughafen in Kuala Lumpur: Als der Halbbruder des nordkoreanischen Präsidenten auf einem der Terminals einchecken will, nähern sich von hinten zwei Frauen und umarmen ihn. Auf den Überwachungsvideos sieht das alles spielerisch, freundlich aus, als führten sie einen kleinen Tanz auf. Wenig später bricht der Mann tot zusammen. Der Vorfall könnte der verheißungsvolle Beginn einer Geschichte sein. Jelinek indessen beschließt ihre Geschichte nach fast hundert Seiten auf verblüffende Weise – mit eben diesem Auftritt moderner Mänaden.
Das von ihr gewählte Ende täuscht allerdings – es ist ein Ende, das keines ist. Wie sollte es auch bei einem Text von Elfriede Jelinek anders sein. Es ist ein Cliffhanger. Diese Videobilder, die um die Welt gingen, sind der Auftakt für eine nächste Geschichte. Fortsetzung folgt!
Zuvor aber jagt sie uns durch Schnee, Eis, Gebirge, erlegt die heilige Kuh und zielt ins finstere Herz unserer Zeit. Als im vergangenen Jahr die ehemalige Skiläuferin und österreichische Abfahrtsmeisterin Nicola Werdenigg Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe während der 1970er und 80er Jahre in österreichischen Skiinternaten, in Trainingslagern und auf ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 168
von Beate Heine
Trump, Brexit, Le Pen und Co. sei Dank – endlich sieht man ein bisschen klarer! Die heftigen Veränderungen in den westlichen Demokratien sind auf oder gerade noch kurz vor den Regierungsbänken angekommen und machen deutlich, was sich zum Teil seit Jahrzehnten anbahnt. Nicht zuletzt Elfriede Jelinek bündelt die Phänomene in ihrem Stück des Jahres wieder einmal...
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken...
Die voraussehbaren Veränderungen in den ethnischen, politischen und ökonomischen Strukturen der deutschen Gesellschaft führen zu der Frage, in welcher Form Kunst und Kultur diese Ausdifferenzierungen widerspiegeln kann. Wird die deutsche Kultur weiterhin dominiert sein von der weißen ethnischen Mehrheit? Und wird der deutsche Kanon weiterhin überwiegend aus Autoren...
