Die andere Theatermoderne

Es ist an der Zeit, Geschichte und Theorie von Drama und Theater der Moderne zu entpatriarchalisieren. Der lange Weg in den Kanon

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Kein Drama. Keine Interpretation. Keine Handlung. Keine Psychologie, kein Naturalismus, keine Subjekte. Stattdessen statisch im Raum stehende Schauspieler, eine weit vom Menschen entfernte Gruppe mit Masken, an Computerspiele, Comic Strips oder Figurentheater erinnernd, Avatare. Sie sprechen einzelne Sätze, oder genauer, sie sprechen sie nach, bewegen zu ihnen ihre Lippen. Denn die Stimmen werden vom Band eingespielt, in einem Kunstdialekt, dem Bayrischen ähnlich.

Der Raum ist ein extremer Guckkasten, öd und leer, wie aus einer Sozialwohnung der 60er Jahre herausgeschnitten oder von Gregor Schneider gebaut. Die Langsamkeit ihres Sprechens und Agierens erinnert ebenso an Fassbinders frühe Filme wie die Atmosphäre, gemischt aus katholischer Klosterschule, Kleinstadtmief, Brechtkälte und Expressionismus. Manche lässt sie auch an David Lynch oder Lars von Trier denken. Und sie ist unverkennbar das Gemeinschaftswerk einer Künstlergruppe, die hier, jeder mit spezifischen Fähigkeiten, gemeinsam Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» auf die Bühne bringt, versammelt von Susanne Kennedy.

Seitdem Kennedy im Jahr 2013 mit dieser Inszenierung an den Münchner Kammerspielen unter Johan ...

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Theater heute Januar 2021
Rubrik: Essay, Seite 46
von Nikolaus Müller-Schöll

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