Zoom-Performance: Zuhause gestrandet

Forced Entertainment performen «End Meeting For All», das vierköpfige «Drei Musketiere»-Ensemble vom Münchner Residenztheater dokumentiert das komische Scheitern an einer Digitalversion

Theater heute - Logo

Grau verfilzte Strähnen, unter denen ein schmales, müdes Gesicht hervorschaut: Es ist ein Monstrum von Perücke, das Claire da auf dem Kopf trägt. Kein Wunder, ist sie doch seit einem Jahr und einem Tag in Quarantäne, und der nächste Friseurbesuch vermutlich noch immer weit entfernt. So lange verlottert Claire in Homeoffice-Einsamkeit – wie so viele in diesem Frühling. Nur, dass das Zuhause nun auch als Probebühne herhalten muss: Denn eigentlich spielt Claire ja bloß die Rolle der Claire.

Und schneidet dabei nicht gut ab: Die Kolleg*innen sind so mittel-amused von ihrer Performance. Tim Etchells lächelt milde und übt sich in Zurückhaltung, Cathy Naden findet die Schauspielerei ihrer Kollegin ziemlich over the top.


Eigentlich hätte im April das neue Stück von Forced Entertainment bei PACT Zollverein in Essen uraufgeführt werden sollen, «Under Bright Light». Nun erarbeitete die britische Performancegruppe nach kurzer Schreck-Pause eine Video-Performance in drei Episoden, die von den koproduzierenden Häusern PACT, Künstlerhaus Mousontum Frankfurt und HAU Hebbel am Ufer Berlin gestreamt wurden. «End Meeting For All» ist eine Videokonferenz als Performance, die eine sehr gegenwärtige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2020
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
Wahre Genehmigungskunstwerke

Verena Großkreutz Herr Kosminski, wie haben Sie während des Corona-Shutdowns Kontakt gehalten zum Publikum?


Burkhard C. Kosminski Wir sind mit digitalen Angeboten online gegangen. Allerdings sehr dezent, denn das Streamen ist meiner Meinung nach eher was für ein Haus mit einer großen Theatergeschichte wie die Berliner Schaubühne oder das Berliner Ensemble. Die...

«Ich hab’ eine große Sehnsucht, in Kontakt zu treten»

Es ist ein Kontrast, der sofort aufhorchen lässt. Diese zarte, beinahe ätherische Erscheinung, hellbraune Augen, rotbraune Locken, schön und zerbrechlich, und dann diese tief sonore Stimme mit leichtem österreichischen Timbre. Wenn man sie zum ersten Mal auf der Bühne erlebt, denkt man einen Moment lang, ist da noch wer, oder ist sie das? Sie ist es! Dieser erste...

Antigone und die weiße Knochenfrau

Eva Behrendt Die «Kurze Chronik des zukünftigen China» haben Sie bereits 2015 geschrieben, jetzt hat John Birke das Stück ins Deutsche übersetzt. Hat das Stück in den letzten Jahren für Sie an Aktualität oder Gültigkeit eingebüßt?


Pat To Yan Zunächst einmal glaube ich, dass die Dinge, die ich darin beschreibe, immer noch geschehen oder weiterhin geschehen...