Der Welterfindungsbau
Selbst sehr alte Hasen kommen aus dem Staunen nicht heraus.
Und die Theatermacher selber wähnen sich schon mittendrin im «milagre», im «Wunder» von Sao Paulo – das «Teatro Oficina», die freie Gruppe um den charismatischen Regisseur Zé Celso Martinez Corréa, in Deutschland bekannt seit den Gastspielen 2004 bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen und 2005 in der Berliner Volksbühne, erhielt nach fast drei Jahrzehnten im Dauerclinch mit dem Medien-Potentaten Silvio Santos erstmals offiziell und konkret Unterstützung von diesem legendären Selfmademan der brasilianischen Medienszene. Dessen «Grupo SS», mit dem landesweit bekannten Flaggschiff vorneweg, dem bislang überaus einträglichen Fernsehsender «sbt», hatte zu Beginn der 80er Jahre ein voluminöses Areal in Sao Paulos citynahem Stadtteil Bela Vista erworben, auf dem sich neben allerlei Kleinbebauung auch der schlauchartige ehemalige Werkstatt-, also: «Oficina»-Bau befindet, dem Zé Celsos Theater den Gruppennamen verdankt. In Nachbarschaft des Theaters entstand bald einer der zentralen Verwaltungsbauten der Santos-Gruppe, und wo ehedem kleine Geschäfts- und Wohnbauten ans Theater grenzten, gähnte seit langem eine riesige, leere Parkplatz-Fläche, die mal zum Supermarkt, mal zum 700 Wohnungen großen Wohnblock werden sollte. An deren Rand ließ die Santos-Gruppe vor wenigen Jahren in einem Akt besonderer Barbarei sogar eine alte Synagoge abreißen. ...
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Theater heute Februar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Michael Laages
Nahe am Bühnenrand, nahe am Abgrund stehen sie, diese beiden Verlorenen, ein Mann und eine Frau. Sie krallen sich aneinander, halten sich zugleich auf Distanz. Es ist spät, Mitch, der bullige, harmlos-hoffnungsvolle Kerl mit der bemüht trendigen Rockabilly-Schmalzlocke, und Blanche, dieses zerbrechliche, fast schon zerbrochene Wesen, sprechen im Halbdunkel die...
Die selbstverständlich selbstreflexive Dekonstruktionsfreudigkeit der performativen Künste, in deren Anfänge Handkes «Publikumsbeschimpfung» einmal gehört haben mag, schlägt noch immer die allerkühnsten Kapriolen. René Pollesch zum Beispiel, das ist Metacomedy
für Intellektuelle, die schon alles wissen! Peter Handkes Klassiker von ’68 dagegen ist inzwischen tief in...
Ein Klassiker: das Wolfskind, das wilde Kind, Kaspar Hauser. Truffaut inszenierte seinen
berühmten Film «L’enfant sauvage» nach dem historischen Fall des Victor d’Aveyron vom
Ende des 18. Jahrhunderts. Vierzig Jahre nach Truffaut veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller T.C. Boyle seine Erzählung «Das wilde Kind». In Aalen wird ein Stück daraus.
Eine...
