Der Tanz ums goldene Objekt
Eine schöne und noch dazu bezahlbare Wohnung in einer deutschen Großstadt zu finden, ist schwer. Das Angebot ist knapp und die Konkurrenz der Mitbewerber groß. Der Immobiliendarwinismus prägt mittlerweile das soziale Klima. Früher sprach man von Gentrifizierung, heute von der Hypergentrifizierung. Gemeint ist, dass nicht nur die einkommensschwachen Bevölkerungsschichten keinen Wohnraum mehr finden, sondern zunehmend auch viele Besserverdienende aus dem deutschen Mittelstand.
Die Gentrifizierung ist nicht nur ein Schluckauf im System, sie fordert gesellschaftspolitische Grundsatzentscheidungen. Noch sind die Demonstrationen derjenigen, die fürchten, entwohnt zu werden, friedlich. Und in Berlin wird über die Enteignung großer Wohnungsgesellschaften nur diskutiert. Aber was passiert, wenn die Situation sich zuspitzt und der Verdrängungswettbewerb zunimmt? Wenn die Betroffenen auf die Barrikaden gehen? Genau darum geht es in Thomas Melles neuem Stück mit dem vieldeutigen Titel «Die Lage».
«Personen in Wohnungen an Orten und Zeiten», nennt Melle seine Szenenfolge. Es ist ein illustrer Chorsatz, ein Konzert aus Stimmen von Makler*innen, Obdachlosen und der anwachsenden Gruppe von ...
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vorwort zu den podesten
1. eigentlich traue ich mich nicht, über jemanden zu schreiben, der noch lebt, und schon gar nicht über jemanden, den ich persönlich kenne. 2. es ist so einfach, einen mann auf ein podest zu stellen, schließlich erinnert er uns ja immer an etwas oder jemanden – an all die vielen anderen männer auf podesten davor. und wenn mir etwas bekannt...
«Zwei Jahre klingen lassen.»
Dies möchte der Schweizer Schlagzeuger und Komponist Fritz Hauser immer mal wieder in seine Partitur schreiben, wenn es um einen abschließenden Gong- oder Beckenschlag geht. Wer Hauser kennt, weiß, wie er zu dieser Vorstellung kommt. Wer ihn nicht kennt, erfährt durch diesen eigentümlichen Wunsch einiges über Hausers Wesen. Er hat als...
Zwei Jahrhunderte, eine historisch verbürgte Wissenschaftlerin, ein Puppenspiel, eine Alpensage und eine düstere Vision der nahen Zukunft prallen in Martina Clavadetschers neuem Stück «Frau Ada denkt Unerhörtes» aufeinander. Die Schweizer Autorin koppelt die Lebensgeschichte der ersten Programmiererin, Ada Lovelace, mit einer in der Zukunft spielenden Parabel über...
