Was spielen sie?
Eine überdurchschnittliche Disposition zum Wahnsinn ist dem Monarchen Lear in Dresden eigentlich nicht anzumerken. Dieter Mann, der am dortigen Staatsschauspiel bereits gastweise als Senior-Feldherr Wallenstein und als altersweiser Religionslehrmeister Nathan aufgetreten war, wirkt bei der anfänglichen Reichsaufteilung unter seinen drei Töchtern eher wie ein pragmatischer Gymnasialpädagoge, der aufmüpfige Pennäler zur Strafe vor die Tür schickt. In jedem Falle steht dieser Staatschef a.D. mit beiden Anzugbeinen fest auf esoterikfreiem Boden.
Selbiger besteht in Holk Freytags Inszenierung aus einem leeren schwarzen Kasten, der auf den ersten Blick wie ein Entwurf von Jürgen Goschs Bühnenbildner Johannes Schütz aussieht, de facto aber von Michael Thalheimers Bühnenbildner Olaf Altmann stammt und beim zweiten Hinsehen jede Menge dramaturgischer Schlupflöcher offenbart: Aus dem Boden fahrende Kleinstpodeste und eine am hinteren Bühnenende versteckte Treppe entpuppen sich als komfortable Auf- und Abgangsschächte, von denen die Mitglieder des Hofstaats wechselweise verschluckt bzw. aus denen sie wieder ausgespuckt werden.
Die Frage ist nur: Wozu eigentlich? Nicht, dass nichts passierte ...
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Schreib aber hin, dass ich ein seriöser Autor bin», ermahnt mich Felicia Zeller am Ende unseres Gesprächs, laut lachend: «Schreib nicht hin, macht nur Witze und lacht, das kann ich nicht ausstehen. Oft ist ja das Niveau sehr niedrig, beim Journalisten. Da stehen dann so Sachen drin, welche Farbe die Brille hat und welche Witze ich mach, wenn denn der Witz...
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte,...
Dass Torberg immerhin auch dafür sorgte, dass sich der Nachruhm des wunderbar kauzigen austriakischen Dichters Fritz von Herzmanovsky-Orlando bei einem breiteren Publikum entfalten konnte, nahmen die wenigen Kenner von dessen Werken ihm eher übel – weil er sie sprachlich geglättet, mehr ins Witzige eines einverständlichen Humors transkribiert hatte. Der bedeutende...
