Der ganz Andere
Gefühlsoptimismus sieht anders aus: Enrico Lübbe beginnt seine Intendanz in Leipzig mit einem Eifersuchtsmord («Othello»), steigert sich in eine Liebestragödie («Des Meeres und der Liebe Wellen») und findet einen ersten Abschluss im tödlichen Vater/Tochter-Moralmissverständnis («Emilia Galotti»). Soweit das Programm der großen Bühne. In kleineren Formaten widmet man sich einem «Lärmkrieg» (Kathrin Röggla) oder sinnt auf ein «Und dann» (Wolfram Höll).
Aber zuerst zur Begrüßung.
Die alte Baumwollspinnerei in Plagwitz, fünf Kilometer westlich vom Stadtzentrum, ist ein weitläufiges Denkmal der industriellen Revolution, in dem bis zur Wende tatsächlich noch 14.000 Menschen gearbeitet haben. Inzwischen hat auch hier die kreative Nachnutzung begonnen. Dutzende Galerien, Architekturbüros, Kunstgewerbler und anderes kulturelles Kleingewerbe zwischen Ökonomie und Selbstentfaltung haben sich angesiedelt, und die fünfte Etage im mittleren Block, übersichtliche 2.000 Quadratmeter, wird neuerdings vom Leipziger Theater zur «Residenz» erklärt. Mehrere handverlesene freie Gruppen sollen sich dort für je zwei Monate einrichten und dem zentralen Schauspielhaus alternativen Anschluss ermöglichen.
Den ...
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Theater heute Dezember 2013
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 18
von Franz Wille
Es gibt da nichts zu beschönigen. Schon das erste Drittel des letzten Säkulums hätte gereicht, um dem Titel «Jahrhundert der Katastrophen» traurige Ehre zu machen. Der französische Arzt und Skandalautor Louis-Ferdinand Céline war der erste, der das in seinem 1932 erschienenen Debutroman «Reise ans Ende der Nacht» schonungslos verkündete, mit einer Sprache, die wie...
Glotzt nicht so romantisch!», hat Brecht seinen Prekariatsstücken als Aufforderung ans Publikum mitgegeben und es mit V-Effekten wie Brecht-Gardine oder Songs um die rührselige Identifikation gebracht. Wenn ein in der Regel gut verdienendes Publikum z.B. auf der Bühne der Münchner Kammerspiele das Leben der Anderen betrachtet, schleicht sich schnell der peinliche...
«Die Eingeschlossenen» endet wie schon einige Stücke der Hamburger Gruppe Ligna: mit Zuschauern, die im Halbdunkel auf dem Boden liegen, an die Decke starren und das Geschehene nachhallen lassen. Was während der vergangenen Stunde passiert ist, stellt allerdings eine Neuerung im Ligna-Kosmos dar. Verstrickten Ole Frahm, Michael Hüners und Torsten Michaelsen...
