Deftig, dirty und gedopt
Wer sich dem neuen ungarischen Nationaltheater am Pester Donau-Ufer nähert, tritt durch einen frei aus der grünen Parkplatzwiese ragenden Portikus, um den sich ein faltenwurfreicher Betonvorhang plustert. Auf einem gepflegten Pfad geht es vorbei an Figuren, die auf Bänken angeregt plauderten, bestünden sie nicht aus Bronze. Vor dem Theater schließlich mit seiner wuchtigen Spiegelglasfassade, prallen Marmorsäulen und allerlei Statuettenkram wölbt sich ein Brücklein über flaches Gewässer, in dem, befeuert von drei ewig brennenden Fackeln, ein gipserner Tempelfries versinkt.
Ein stimmiges Untergangsbild. Denn das überaus kostspielige, bühnentechnisch rekordverdächtige und mit kuriosem Kunstnippes aufgebrezelte Gebäude kostete die Architektin Mária Siklós nachträglich den Platz in der ungarischen Architektenkammer. Der gewagte Repräsentationsbau auf dem Areal des künftigen «Millenium City Center» lässt auch viele Budapester Theaterleute die Augen verdrehen. Allzu trefflich spiegelt er den akuten Geschmacksausfall einer Transit-Gesellschaft, die sich nach der Wende neu zu erfinden versucht und dabei mitunter hektisch daneben greift (man denke nur an das Berliner Kanzleramt).
Das ...
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Seit einem Jahr ist Sewan Latchinian Intendant der «Neuen Bühne» in Senftenberg. Abends ist es hier still. Der Senftenberger See, ein ausgekohltes ehemaliges Tagebaurevier (1973 auf staatliche Weisung geflutet), ist mit seinen 1300 Hektar Wasseroberfläche, Tiefe bis 19 Meter, der erste in einer sich weithin verflechtenden Seenkette, die diesem ausgepowerten...
Die Ein-Mann-Revolution tritt hinter einem Werbeplakat für die Zigarettenmarke «Cabinet» hervor. Auf dem Plakat sieht man eine Küchenszene, in der sich die Hauptfigur die Zigarette an der Flamme des Gasherds anzündet. Die Ein-Mann-Revolution ist männlich und spricht grundsätzlich im lockeren Plauderton.
Beherzt Hallo, na wie geht’s, Ihnen allen ein herzliches...
Was warst du am 8. Mai 1945?» Die einzige Talkshowfrage, die in Nicolas Stemanns Theaterfassung des Antikriegsromans «Schlachthof 5» von Kurt Vonnegut gestellt wird, gehen die Hannoveraner Schauspieler streng gruppentherapeutisch an. Brav hocken sich Sonja Beißwenger, Matthias Neukirch, Peter Knaack und Matthias Buss auf den psychedelisch gemusterten,...
