Deftig, dirty und gedopt
Wer sich dem neuen ungarischen Nationaltheater am Pester Donau-Ufer nähert, tritt durch einen frei aus der grünen Parkplatzwiese ragenden Portikus, um den sich ein faltenwurfreicher Betonvorhang plustert. Auf einem gepflegten Pfad geht es vorbei an Figuren, die auf Bänken angeregt plauderten, bestünden sie nicht aus Bronze. Vor dem Theater schließlich mit seiner wuchtigen Spiegelglasfassade, prallen Marmorsäulen und allerlei Statuettenkram wölbt sich ein Brücklein über flaches Gewässer, in dem, befeuert von drei ewig brennenden Fackeln, ein gipserner Tempelfries versinkt.
Ein stimmiges Untergangsbild. Denn das überaus kostspielige, bühnentechnisch rekordverdächtige und mit kuriosem Kunstnippes aufgebrezelte Gebäude kostete die Architektin Mária Siklós nachträglich den Platz in der ungarischen Architektenkammer. Der gewagte Repräsentationsbau auf dem Areal des künftigen «Millenium City Center» lässt auch viele Budapester Theaterleute die Augen verdrehen. Allzu trefflich spiegelt er den akuten Geschmacksausfall einer Transit-Gesellschaft, die sich nach der Wende neu zu erfinden versucht und dabei mitunter hektisch daneben greift (man denke nur an das Berliner Kanzleramt).
Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie ändert sich in sieben Jahren der Blick auf ein Erstlingsdrama, das seinerzeit als veritables Horrorstück in die Theatergeschichte einging? Eine ganz normale vierköpfige Familie: Die pubertierenden Kinder sind inzestuös ineinander verwoben, Kurt bastelt in der Garage Molotowcocktails und wirft sie in fremde Häuser, am Schluss erschlagen die Geschwister ihre...
Ein junger Mann von engelhafter Schönheit bricht in die gediegene Langeweile einer Mailänder Industriellenfamilie, bringt erotische Erleuchtung und hinterlässt Chaos und Wahnsinn. Nacheinander lassen sich die Familienmitglieder mitsamt dem Dienstmädchen von dem mysteriösen Gast faszinieren und verführen, der so plötzlich wie er gekommen ist auch wieder...
Dr. Sven-Joachim Otto ist trotz seiner jungen Jahre ein erfahrener Schauspieler. 1999, mit gerade 29 Jahren, spielte er auf einer mittleren Provinzbühne schon eine Protagonistenrolle: Er ließ sich als CDU-Kandidat für das Oberbürgermeisteramt der Stadt Mannheim aufstellen, unterlag, blieb aber dem Polittheater treu. Trotz eines zweiten, demütigenderen Absturzes:...
