Gotscheffs Mühle
Zwischendurch nimmt immer mal wieder jeder seinen schwarzen Caféhausstuhl, wirbelt ihn zu einem kleinen einsamen Tänzchen mit sich herum, schreit ein paar seiner schönsten Phrasen der bösartigsten Selbstsucht ins Parkett und serviert dazu eine Portion Grotesk-Pantomime der jeweiligen besonders auffälligen Macken. Dazu gibt gelegentlich eine vierköpfige, vom Schnürboden per Beleuchterbrücke ins leere Bühnenrund gehängte Combo dissonante Eruptionen auf Basis nicht wiedererkennbarer Walzer-Standards zum Besten.
Mit schönster Offenherzigkeit präsentieren sich in Dimiter Gotscheffs Berliner Inszenierung die gierigen Wiener Klein- und Kleinstbürger in ihrer gesammelten Niedertracht und signalisieren jedem, der noch nicht völlig blind und taub ist: Geheimnisse werden hier nicht gemacht.
Horváths Volksstück in drei Teilen von 1931 ist ein unverwüstlicher Oldtimer des kritischen Theaters: die schaurige Abrichtung der maßvoll widerspenstigen Marianne durch Vater, Bräutigam, Geliebten, Freunde, Tanten und ein weiteres halbes Dutzend menschenverachtender Egoisten nebst den widrigen wirtschaftlichen Verhältnissen, bis aus dem süßen Wiener Mädel eine wehrlos zugerichtete Ehefrau geworden ist. ...
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Heute: Wirklichkeitsflimmern! Die Wirklichkeit ist von vornherein so beschaffen, dass man sofort mit ihr spielen möchte, auch als Kind. «Vater, Mutter und Kind» ist die Form für die unmittelbare Umsetzung häuslicher Frustrationen und Konflikte ins Spiel. Die Abbildung ist der erste Schritt zur Bewältigung. Dabei muss der Wirklichkeitsbezug unmittelbar und direkt...
Wer über das Theater gründlich nachdenkt, kommt am großen Theater- und Fußball-Philosophen Thomas Brdaric, der als Stürmer in Diensten des VfL Wolfsburg steht, kaum vorbei. Erst kürzlich, zu Beginn der Winterpause, sagte er: «Man macht sich schon sehr, sehr viele Gedanken. Und gerade weil man sich so viele Gedanken macht, habe ich mir in den letzten Tagen einfach...
In den ersten beiden Akten murren die Schweizer lange nur gegen die habsburgische Fremdherrschaft, bis sie sich dann doch in Richtung Rütli bewegen. Ist es dann endlich soweit, wartet Schiller aber plötzlich mit privaten Szenen auf und zeigt den Tell in der Bergidylle. Eigentlich ist die Schweiz bereit für die Revolte, während sich der Scharfschütze vorerst lieber...
