Debatte: Schlingensief verzweifelt gesucht
So viel wurde in München schon lange nicht mehr über Theater gestritten – zumindest in dieser Hinsicht dürfte sich Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal am Ziel seiner Wünsche fühlen. Sonst liegen die Standpunkte derzeit weit auseinander – schon in der Frage, worum es in der Debatte überhaupt geht.
Zur Erinnerung eine kurze Chronologie der aufgetretenen Symptome: Ende Oktober teilte die Presseabteilung der Kammerspiele mit, dass der französische Nachwuchsstar Julien Gosselin die Proben zu dem mit Spannung erwarteten Houellebecq-Projekt «Unterwerfung/Plattform» nach drei Wochen abgebrochen habe, Hausregisseur Nicolas Stemann sei jedoch eingesprungen, um die Produktion zu retten. Zehn Tage später wurde die Premiere ganz abgesetzt, und nun hagelte es auch noch Kündigungen der beliebten Schauspielerinnen Brigitte Hobmeier, Anna Drexler und Katja Bürkle. Christine Dössel, Theaterkritikerin der «Süddeutschen Zeitung», widmete der angeblichen Kammerspiele-Krise eine Aufmacherseite im Feuilleton und kam zu dem Ergebnis, dass das von Lilienthal vertretene «interdisziplinäre, partizipative, postdramatische Diskurs- und Performancetheater» bisher «keine wichtigen, dem ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Silvia Stammen
Norma kommt von «Norm». Denn Norma steht unter gewaltigem Normierungsdruck. Normen kommt auch von «Norm». Er hat das Ganze schon hinter sich. Nach «Du (Normen)», liefert Dramatiker Philipp Löhle nun mit «Du (Norma)» den femininen Gegenpart seiner so genannten «Dulogie». Deren Ziel ist es laut Ankündigung des Nationaltheaters Mannheim zu zeigen, «wie die...
Das Theater der Jugend ist das Burgtheater der kleinen Leute. Für viele Wiener Bürgerinnen und Bürger zwischen sechs und 14 Jahren gehört ein TdJ-Abo einfach dazu, jedenfalls sehen ihre Eltern das so. Die Zahlen sind entsprechend eindrucksvoll: Seine 251.500 Besucher (Spielzeit 2015/16) werden in Wien nur von den Großbühnen übertroffen, mit den 40.000 Abos...
Die gute Nachricht zuerst: Es ist noch nicht zu spät. Verloren gegangen ist bisher erst wenig, und die Initiative zu einem «Archiv des Freien Theaters», die auf der Konzeptionskonferenz letzten Oktober im Münchner Literaturhaus präsentiert wurde, kommt damit zur richtigen Zeit, in der viele, die in den 1960er und 1970er Jahren begonnen haben, außerhalb der...
