Debatte: Schlingensief verzweifelt gesucht
So viel wurde in München schon lange nicht mehr über Theater gestritten – zumindest in dieser Hinsicht dürfte sich Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal am Ziel seiner Wünsche fühlen. Sonst liegen die Standpunkte derzeit weit auseinander – schon in der Frage, worum es in der Debatte überhaupt geht.
Zur Erinnerung eine kurze Chronologie der aufgetretenen Symptome: Ende Oktober teilte die Presseabteilung der Kammerspiele mit, dass der französische Nachwuchsstar Julien Gosselin die Proben zu dem mit Spannung erwarteten Houellebecq-Projekt «Unterwerfung/Plattform» nach drei Wochen abgebrochen habe, Hausregisseur Nicolas Stemann sei jedoch eingesprungen, um die Produktion zu retten. Zehn Tage später wurde die Premiere ganz abgesetzt, und nun hagelte es auch noch Kündigungen der beliebten Schauspielerinnen Brigitte Hobmeier, Anna Drexler und Katja Bürkle. Christine Dössel, Theaterkritikerin der «Süddeutschen Zeitung», widmete der angeblichen Kammerspiele-Krise eine Aufmacherseite im Feuilleton und kam zu dem Ergebnis, dass das von Lilienthal vertretene «interdisziplinäre, partizipative, postdramatische Diskurs- und Performancetheater» bisher «keine wichtigen, dem ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Silvia Stammen
Lichtwechsel im Berliner Maxim Gorki Theater. Es folgt ein eher seltener ruhiger Moment in der lose montierten Monologfolge von Lola Arias’ «Atlas des Kommunismus». Ruth Reinecke blickt auf ein angefleddertes Textbuch in ihren Händen, sie blickt zu den Kollegen auf der Bühne, ins Publikum, dann nimmt sie innerlich Anlauf. Und los: Sie wisse, dass das sinnlos...
Daten
Aachen, Grenzlandtheater
31. Delaporte und de La Patellière,
Das Abschiedsdinner
R. Udo Schürmer
Aachen, Theater
19. Projekt, Eine Handvoll
R. Robert Seiler
27. Miller, Alle meine Söhne
R. Michael Helle
28. Nicht mit uns! – Zauberland
ist abgebrannt
R. Florian Hertweck
Aalen, Theater der Stadt
11. Stamm, Agnes
R. Tonio Kleinknecht
Altenburg...
Aufführungen
War vielleicht doch ein bisschen zu viel medialer Gegenwind, der Matthias Lilienthals als «Pipifax» geschmähter Performance-Schiene entgegenschlug. Ins neue Jahr jedenfalls starten die Münchner Kammerspiele so kanonisch wie nur irgend möglich: Mit Tschechows «Kirschgarten», möglicherweise leicht entkanonisiert durch Nicolas Stemann, und...
