Das Wohlstandsarrangement
Ich sehe: Geldautomaten (…), Hochgeschwindigkeitszüge, FKK-Strände, Kinder mit Handys, Reality-Shows auf MTV (…), Kaffee ohne Koffein / Bier ohne Alkohol / Süßes ohne Zucker / Fleisch ohne Cholesterin». So stellt sich Europa von außen dar. Aus Sicht der somalischen Olympionikin Samia, die in Carla Guimaraes’ tragikomischer Flüchtlingsgeschichte «Die unglaubliche Geschichte des Mädchens, das Letzte wurde» (aus Spanien) von ihrer afrikanischen Heimat aus die Festung Europa erklimmen will.
Ein Kontinent als Ansammlung von Konsumgütern, körperkultischen Selbstpraktiken (FKK) und Diätetik (Kaffee ohne Koffein). Europa als Wohlstandsarrangement.
Aus der Binnensicht erscheint diese europäische Wellness-Oase natürlich durch und durch gefährdet. Im griechischen Festivalbeitrag zum Beispiel. Da tanzen die Akteure der Athener Blitz Theatre Group in «Late Night» inmitten von Schutt und Trümmern in einem abgewetzten Ballsaal. Ein dritter Weltkrieg hat die Staaten verwüstet, und die drei hier versammelten Tanzpaare erinnern sich reihum in unterkühlten Erzählsplittern der Kriegs- und Vorkriegszeiten. «Ich denke an all die Spieler der Premier League. / Ich frage mich: / Ist es möglich, dass sie ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 22
von Christian Rakow
Die besten Jahre sind vorbei, die Frau ist tot, die Rente ist da. Tony Webster hat Pech, der Historiker ist zu intelligent für die kleine Restexistenz in seinen bescheidenen vier Wänden, die er sich doch eigentlich wünscht. Er muss denken; er kann nicht anders, als sich zu erinnern.
Er macht das, wo sonst, bei sich zu Hause. Hier führt er zwischen Schreibtisch,...
Als Matthias Lilienthal im Sommer 2012 mit einem launigen Theater-Parcours auf dem Tempelhofer Feld und einer dramatischen 24-Stunden-Bustour durch alte Westberliner Architektur-(Sünden-)Highlights seinen Ausstand als Intendant des Kreuzberger Theaterkombinats HAU gab, klang es in der Hauptstadtpresse ein bisschen so, als könne der Freie-Szene-Hort nach ihm...
Als ich vor sechs Jahren nach Basel kam, dauerte es nicht lange, bis ich den Namen Trix hörte – recht oft hörte – und dies immer in Verbindung mit «Aua». Nun war es meiner damaligen Unkenntnis geschuldet, dass ich Trix und Aua nicht sofort einordnen konnte, aber mir wurde sehr schnell klar, dass hinter diesen Codenamen, dieser Geheimsprache etwas Wichtiges steckte,...
