Drehbühne Deutschland
Anfangsstation: Bahnhof, Ort der Unruhe, des Aufbruchs und Durchgangs. Im Bochumer Schauspielhaus bleibt auf weitgehend leerer Bühnenfläche, über die Raimund Bauer nichts als eine Lichtbrücken-Installation hängt, die Drehscheibe der konkrete und metaphorische Ort des Karl Siebrecht. Der 16-Jährige kommt, mutterseelenallein, aus der Uckermark ins Berlin der späten Gründerzeit, mit nichts als seinem Aussehen, guten Manieren, hellem Verstand und dem Willen nach oben. Als erstes trifft er das Arbeiterkind Rieke aus dem Wedding, etwa gleichalt und ebenso auf sich gestellt.
Sie ist das Herz, wo Karl der Kopf ist, sie ist pragmatisch, wo er Skrupel hat in Fragen der Ehre und seines Egos. Karl, zunächst Dienstmann und Aushilfszeichner, wird Erfolg haben als Fuhrunternehmer, der die Gepäckbeförderung der prosperierenden Hauptstadt auf die Räder stellt (zuerst von Pferdewagen, dann von Automobilen), nach dem Krieg mit seinen Depressionen und Zerrüttungen als Schieber.
Hans Falladas Romanheld, vor 37 Jahren in einer sehr ansehnlichen ZDF-Verfilmung von Mathieu Carrière verkörpert, ist ein Enthusiast der Zukunft, aber sein Ziel nicht das Glück, sondern das Gelingen. Karl Siebrecht (bei Felix ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Bochum Schauspielhaus, Seite 64
von Andreas Wilink
Das «gegenständliche Leben für fünf Schauspieler», so der Untertitel von Dmytro Ternovyis «Hohe Auflösung», endet für Jelena kurz vor Stückschluss leider ebenfalls gegenständlich: Ein Pflasterstein trifft sie tödlich am Kopf. Der Brocken kommt zwar nicht zufällig durchs Fenster geflogen, aber er hätte genauso gut vorbeifliegen können. Jelena hat einfach kein Glück...
Erste Szene.
Ungebetene Gäste
Ein großes Zimmer, vom Boden bis zur Decke und von der Wand bis zum Fenster vollgestopft mit allem möglichen Krempel. Hinten links ist der Flur mit einem großen Kleiderschrank und der Wohnungstür zu sehen. Rechts ein Fenster mit zugezogenen Vorhängen, weiter hinten die Tür zum Nachbarzimmer. Bücherregale, aufeinandergestellte...
Von einer Projektionswand sieht uns ein Gesicht an. Ein kleiner Chor singt sanft und klagend über ein zerstörtes Land, das seinen Bewohnern zum Grab wurde. So leise, so traurig beginnt Brett Baileys afrikanischer «Macbeth», der die Geschichte des schottischen Königs in die soziale Realität des heutigen Ostkongos verlegt, eines von Kriegen rivalisierender Warlords,...
