Das wär was!
Durch #MeToo und Black Lives Matter haben Rassismus und Sexismus in der Gesellschaft eine Aufmerksamkeit bekommen, die es so bislang noch nicht gab. Auch die Theater mussten sich verhalten, haben endlich Gremien und Anlaufstellen entwickelt, was längst überfällig war. Man könnte schon sagen, dass in kürzester Zeit eine neue Kultur des Sehr-schnell-da-Mitgehens entstanden ist, sich zu informieren, zu bilden und die Erkenntnisse eins zu eins umzusetzen.
Aber natürlich gibt es auch die Leute, die lieber erstmal abwarten, bis es sie in irgendeiner Form selbst betrifft, so nach dem Motto «Dann kann ich mich immer noch damit beschäftigen», oder auch diejenigen, die sich komplett verweigern, weil ihnen alles zu schnell geht oder zu lästig ist.
Umbrüche sind eigentlich immer spannend. Wenn man das begreift, kann man die Energie daraus nutzen. Die Krux sind die Parteilichkeiten. Die einen sagen: «Ich hab keine Lust, immer alles zu erklären – educate yourself!», die anderen finden: «Denen kannst du es nie recht machen, die übersehen, dass wir es schon immer anders gemacht haben.» Und dann ergeben sich daraus Dynamiken, aus denen gegenseitige Vorwürfe hervorgehen: «zu beleidigt, zu bunt, zu ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 84
von Michael Klammer
Als wäre ein Druckventil geplatzt, sprach man im Frühling der Öffnung 2022 so viel über das Publikum wie seit Jahren nicht mehr. Der Beginn der Pandemie, die erste Schließungswelle, die zweite, noch längere: Das Theater war, durchaus begreiflich, zwei Jahre lang mit sich selbst beschäftigt. In dieser Zeit gerieten die Mindestgagen für junge Künstler:innen in den...
Eine tolle Kollegin, mit der ich viel zu selten Kaffee trinken gehe, meinte vor Kurzem zu mir, sie hätte einmal die schon recht erfahrene Vorzimmerdame eines größeren deutschen Theaters, die schon einige Wechsel von einigen Intendierenden in ihrem Vorzimmerleben miterlebt hat, gefragt, wie das denn nun so sei, über all die Jahre, mit all den Wechseln, und ob es...
Falk Schreiber Lina Beckmann, ich möchte zunächst über Karin Henkels Shakespeare-Überschreibung «Richard the Kid & the King» am Hamburger Schauspielhaus reden, in der Sie die Hauptrolle spielen. Was ist dieser Richard eigentlich für eine Figur? Warum ist der so, wie er ist?
Lina Beckmann Eine Frage, die wir uns gestellt haben, ist: Wird jemand so, wie er ist, weil...
