Auf der Schweineseite
Falk Schreiber Lina Beckmann, ich möchte zunächst über Karin Henkels Shakespeare-Überschreibung «Richard the Kid & the King» am Hamburger Schauspielhaus reden, in der Sie die Hauptrolle spielen.
Was ist dieser Richard eigentlich für eine Figur? Warum ist der so, wie er ist?
Lina Beckmann Eine Frage, die wir uns gestellt haben, ist: Wird jemand so, wie er ist, weil ihn alle falsch behandeln, oder ist er schon von vornherein so, und er wird deswegen falsch behandelt, weil er irgendetwas in seiner Seele oder in seiner Aura hat, dass die Leute sagen: «Ich lehne diesen Menschen ab»? Und kommen seine monströsen Gedanken daher, dass er deformiert in seiner Seele ist oder wurde er deformiert? Wir haben auf diese Fragen keine Antworten gesucht, sondern haben versucht, beides zu beleuchten. Wie weit geht jemand, wenn er denkt: «Ich zeige euch jetzt, wer ich sein kann! Ihr habt mich alle unterschätzt!» Ich finde, das Spannende daran, Richard zu spielen, war eigentlich seine enorme Chuzpe. Sein Mut, so weit zu gehen, obwohl er vielleicht furchtbar einsam ist und auch furchtbar verletzlich. Es gibt Menschen, die an so einer Situation eingehen, aber nicht Richard. Der erschafft da etwas für ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 102
von Falk Schreiber
«Kunst kommt von können und nicht von wollen, sonst müsste es ja Wunst heißen.» (Karl Valentin)
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