Das Chaos ist nicht aufgebraucht

Rückblick auf eine schwierige Spielzeit und einige bemerkenswerte Höhepunkte Von Franz Wille

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Wenn das «Das neue Leben» ist? Große weite leere Bühne mit einer Art Schiedsrichterleiter und einem automatischen Klavier, die später von einem martialischen Lichtrührkreisel abgelöst wird? Ein paar demonstrativ verloren wirkende Schauspieler:innen spielen sich schüchtern bis verlegen einen Text zu, der von strikter Liebesverleugnung und Sublimationskunst handelt. Am Ende erscheint Dantes Beatrice, das geliebt-verleugnete Subjekt der Begierde, als alte Frau aus dem Totenreich und gibt ein paar pragmatisch-nüchterne Lebenshinweise, nahe an der Briefkastentante.

In anderen Jahren hätte danach das Krisengeschrei ohrenbetäubende Ausmaße angenom -men; 2022 aber war man froh, dass es nach zwei digitalstummen Ausgaben überhaupt eine Theatertreffeneröffnung gab und beklatschte das Ereignis dankbar. Weitere Gesprächsthemen waren der Besucherschwund, den der Regisseur Christopher Rüping kurz zuvor in Hamburg öffentlichkeitswirksam beklagt hatte, und das meistgenannte «Theater des Jahres» in der Kritiker:innenumfrage dieser Zeitschrift heißt seit Neuestem auch noch «keines». Mehr Bühnenoptimismus geht kaum. Die Sache lässt sich allerdings auch anders betrachten. Christopher Rüping und sein ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 112
von Franz Wille

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