Das geheime Geschäftsmodell
Wie wäre es, wenn wir, nach jahrzehntelanger Abstinenz, einfach wieder ins Plattengeschäft gehen? Auf den ersten Blick alles wie gewohnt – und doch ganz anders? Schon beim Betreten hinterlegen wir unsere persönlichen Daten, inklusive Bankverbindung, und lassen die Kamera registrieren, die wir immer bei uns tragen. Beim Durchwühlen der Regale protokolliert die Geschäftsleitung, welche Alben und Stücke wir uns wie lange anhören.
Bevor wir selber eine Auswahl treffen können, legt das Personal ständig neue Zusammenstellungen mit Titeln auf den Tresen, von denen es annimmt, dass sie uns genauso oder noch besser gefallen. Jede unserer Entscheidungen wandert in eine Datenbank. «Damit handelt der Laden, das ist sein geheimes Geschäftsmodell.»
Weil wir das Geschäft nicht verlassen dürfen, solange wir Musik hören, bringen wir beim nächsten Besuch eine Decke, ein Kissen und einen Schreibblock mit. Gerade beim Arbeiten, vor und nach dem Einschlafen, hebt der Konsum des Angebots die Stimmungslage ungemein. Rätselhaft bleibt, warum wir im Shop nie anderen Kund:innen begegnen, obwohl die Mitarbeiter:innen damit werben, dass im Quartal nicht weniger als 350 Millionen ihren Weg dorthin finden.
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Christoph Gurk
ERÖFFNUNGSSONG
Gustav
Alles was ich berühr wird zu Scheisse Warum hast du mich verlassen, Vater? Du sagtest stets aufgegeben wird nur ein Brief Du führtest mich durch die stürmische Flut, in die Berge, die Straße entlang. Ich brauche dich, Vater Auf Knien bitt ich dich Ich brauche dich, Vater Glaub an mich.
Herzlich Willkommen Schwestern und Brüder Kunstgenießer...
Mit dem Kapitalismus ist das so eine Sache, findet der Autor im senfgelben Anzug. Er ist überall, und trotzdem kann man ihn nicht sehen. Er hat allerlei Dreck am Stecken, und doch gibt es kein Außen mehr – und also keinen Ort, von dem aus Kritik möglich ist. Wie also ein Theaterstück darüber schreiben? Nis-Momme Stockmann, der unmittelbar nach seinem Erstling «Der...
Endlich alles gut in Damaskus. Der Bürgerkrieg überwunden, Schuldfragen und Rachepläne vergessen. Die Trümmerfrauen, oder wer immer hundert Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Syrien dafür zuständig ist, haben die Bühne des Alltags klinisch gesäubert. Kaum ein Staubkorn zu sehen beim Ortstermin «Damaskus 2045» im Freiburger Kleinen Haus.
Es sind sogar wieder Museen...
