Das geheime Geschäftsmodell
Wie wäre es, wenn wir, nach jahrzehntelanger Abstinenz, einfach wieder ins Plattengeschäft gehen? Auf den ersten Blick alles wie gewohnt – und doch ganz anders? Schon beim Betreten hinterlegen wir unsere persönlichen Daten, inklusive Bankverbindung, und lassen die Kamera registrieren, die wir immer bei uns tragen. Beim Durchwühlen der Regale protokolliert die Geschäftsleitung, welche Alben und Stücke wir uns wie lange anhören.
Bevor wir selber eine Auswahl treffen können, legt das Personal ständig neue Zusammenstellungen mit Titeln auf den Tresen, von denen es annimmt, dass sie uns genauso oder noch besser gefallen. Jede unserer Entscheidungen wandert in eine Datenbank. «Damit handelt der Laden, das ist sein geheimes Geschäftsmodell.»
Weil wir das Geschäft nicht verlassen dürfen, solange wir Musik hören, bringen wir beim nächsten Besuch eine Decke, ein Kissen und einen Schreibblock mit. Gerade beim Arbeiten, vor und nach dem Einschlafen, hebt der Konsum des Angebots die Stimmungslage ungemein. Rätselhaft bleibt, warum wir im Shop nie anderen Kund:innen begegnen, obwohl die Mitarbeiter:innen damit werben, dass im Quartal nicht weniger als 350 Millionen ihren Weg dorthin finden.
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Christoph Gurk
Kaum zu glauben, dass es sich hier um den Theatersaal des Grillo Theaters handelt. Umzingelt von kinogroßen Leinwänden, verteilt auf Drehstühlen sitzt das Publikum im leeren Raum. Mitten im Geschehen. Mal sind die Schauspieler:innen zum Greifen nahe, dann erscheinen sie nur im Film. Bereits beim Einlass bekommt man über die vielen Leinwände simultane Einblicke in...
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Wen oder was die Musiker:innen darstellen, ist nicht gleich klar. Meist sind sie ein emsiges kleines, akustisches Quintett, mit Bläsern, Streichern und einem formidablen Vibrafon. Später wird ein vorher aufgezeichnetes Kammerorchester virtuell zugeschaltet, welches nun karussellartig um unser kleines Ensemble herumspielt. Doch am Anfang stehen die Instrumentalisten...
