Das Ende des Mythenmöglichen

Armin Petras inszeniert am Maxim Gorki Fritz Kater: «demenz depression und revolution» untersucht drei Störfaktoren im Räderwerk der Gegenwart

Theater heute - Logo

So kennen die Berliner nach sechs Jahren Gorki Theater ihren nach Stuttgart scheidenden Intendanten Armin Petras, der ja auch noch Fritz Kater heißt: ein und dieselbe Person, auf strikte Trennung bedacht. Regisseur der eine, Autor der andere; Patchworker, Sampler aber alle beide, auf der Suche nach Gesellschaft und dem Wir in Geschichten von Einzelnen, sprunghaft erzählt, energetisch aufgeladen, Kater konsequent ohne Punkt und Komma, Petras von pausenloser szenischer Energie getrieben, in unerschöpflicher Stilvielfalt.

Aber das Doppel-Ich kann auch anders.

Strin­gent, ohne jede Abschweifung erzählt Kater im Mittelteil der szenischen Trilogie «demenz depression und revolution» kaum verhüllt, wenn­gleich ohne Namensnennung, vom Leben und Sterben des Torwarts Robert Enke, eine Erzählung von Leistungsdruck und Scheitern, Wieder­­­aufstehen und Verzweiflung. Am Ende, 2009, warf er sich vor den Zug. Zur Trauerfeier versam­­mel­ten sich 40.000 Menschen im Stadion in Han­nover. Von Ronald Rengs Torhüter-Biografie «Ein allzu kurzes Leben», die 2010 erschien, hat sich Autor Kater wohl auch leiten lassen. Dass Teresa Enke, die Witwe des Fußballers, jetzt Juristen bemüht, weil sie nicht um die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Barbara Burckhardt

Weitere Beiträge
Auf dem Kompost der Zivilisation

Putz blättert in ahornblattgroßen Placken von den Wänden, darunter frisst fröhlich der Schimmel. Den Fußboden verwandeln Staub, Dreck und die verstreuten Bestände einer umfangreichen Bücherwand in unwegsames Gelände. Die Glasscheiben der französischen Fenster und der Galerie im ersten Stock sind herausgebrochen, Kabel baumeln lianengleich von der Decke, von draußen...

Frauenterror

Im Juli 2012 betritt James Eagan Holmes ein Kino in der Kleinstadt Aurora, Colorado, durch den Notausgang, wirft zwei Ladungen Tränengas ins Publikum und erschießt zwölf Be­sucher. Nur drei Wochen später tötet Wade Michael Page sieben Mitglieder eines Sikhtempels in Oak Creek, Wisconsin. Ende September erschießt Andrew J. Engeldinger fünf ehemalige Kollegen in...

Die Kantine als demokratischer Ort

Die postdramatischen Aufführungen von Claudia Bosse und ihrem Theatercombinat Wien sind stets eine Reise wert. Sie finden «site-specific» an Orten statt, die man sonst nie im Leben kennen lernen würde: in leer stehenden Bürogebäuden, in Straßenbahnremisen oder Fabrikhallen.

Für das neue Projekt «designed desires» bat sie in die Kantine des ehemaligen...