Das Drama der Virtuosin
Wer Jutta Lampes Mascha in Tschechows «Drei Schwestern» 1984 an der Berliner Schaubühne gesehen hat, wird den Abschied von ihrem nicht mehr heimlichen Geliebten, dem Oberstleutnant Werschinin, kaum vergessen: Wie sie sich, alle Façon von Form und Inszenierung über Bord werfend, Otto Sander an den Hals klammerte, schrie, von den zwei Schwestern mehrfach mit aller Kraft weggerissen werden musste und schließlich bei lebendigem Leib erstarrte.
Da war die Kraft einer Schauspielerin zu erleben, die eine Aufführung an sich reißen und zumindest für den Moment auf den Kopf stellen konnte: Aus Peter Steins melancholisch-sentimentaler Elegie auf eine untergehende bürgerliche Tschechow-Welt wurde minutenlang ein unkontrollierbarer, zweifelsfrei lebendiger Augenblick.
Jutta Lampes Berufsbiografie überspannt von den 1960er des alten bis in die Nuller Jahre des neuen Jahrtausends die Anfänge, Höhen und Abgründe einer Theateridee: von den platten Komödien am Spielort Böttcherstraße an Kurt Hübners Bremer Theater über die immer reflektierter forschende, philologische Literaturtheateranstalt von Peter Steins Berliner Schaubühne bis hin zu deren museal-klassizistischer Erstarrung in scheinbar ...
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Theater heute Februar 2021
Rubrik: Nachruf, Seite 29
von Franz Wille
Wolfgang Schuch verdanke ich seit langem schon sehr viel. Sein Verlust berührt mich tief, insbesondere weil er einer der ersten Theaterleute außerhalb Kataloniens war, der sich für unsere Dramatik interessierte, sie verstand und wertschätzte. Was gleichermaßen auch für unsere Sprache gilt, für unsere ganze Art, zu sein und zu handeln, für die katalanische Kultur....
Klaus Dermutz Frau Lampe, Sie wurden in Flensburg geboren. Was machten Ihre Eltern?
Jutta Lampe Meine Mutter war auch in Flensburg geboren worden. Mein Vater war bei der Marine. Wir zogen 1939/40 nach Kiel, weil er dorthin musste. Mein Vater ging in den Krieg. Er war wenig, wenig zu Hause. Ich war das erste Kind, nach eineinviertel Jahren kam schon mein Bruder. Und...
Seit einigen Jahren schon besucht das Wort die Höfe entlang der Allee von Boutsemtenga und spricht auf erleuchteten Stelen vom Leben. Um zu erscheinen, setzt sich das Wort in Szene. Dieses Jahr hat es beschlossen, sich aufzulehnen. Aus dem sumpfigen Verzicht und der Müdigkeit erhebt es sich gegen die Versklavung der Körper und Gedanken.» Felwine Sarr, der diese...
