Cottbus: Kapitalistischer Realismus
«Alles kommt vom Bergwerk her», ein Satz, wie man ihn in Stücken des sozialistischen Realismus oder vielleicht bei naturalistischen Autoren des 19. Jahrhunderts vermuten würde. Hier aber bildet er den Kern des Gewinnerstücks des Kleist-Preises 2019, uraufgeführt am Staatstheater Cottbus. Entsprechend geht es in «Warten auf Sturm» auch nicht um schwarz-staubige Kohle oder goldglühenden Stahl, sondern um die seltene Erde Coltan, wobei dies eher ein Verfremdungseffekt der Parabel denn Aktualisierung des Motivs ist.
Kleist-Preisträger ist Peter Thiers, geboren 1991 und neben seinen Tätigkeiten als Autor auch als Regisseur und Filmemacher unterwegs.
Thiers greift nun scheinbar tief in die Szenarienkiste des sozialkritischen, ja sozialistischen Dramas um die Ausbeutung der Arbeiter und ihre Befreiung. Doch es beginnt mit eben jener ominösen Coltanmine, in der die Cleaner (gesprochen: Kle-aner) seit Generationen Coltan abbauen und ihr gesamtes Leben fristen, während oben der Geschäftsführer Noon (Axel Strothmann) im Auftrag des Minenbesitzers Winter (Boris Schwiebert) die Ausbeutung organisiert. Ein stabil funktionierendes System, das alle zufriedenstellt, auch wenn Noons adoptierte ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
Es gab Zeiten, da konnte man den Eindruck gewinnen, Festivals kreieren, losgelöst von lokaler Verortung, ein sich vorwiegend aus Eigenblut speisendes System international zirkulierender Großproduktionen, deren gemeinsamer Nenner vor allem in ihrer möglichst voraussetzungslosen universalen Rezipierbarkeit liegt. Beim Münchner Spielart Festival, und nicht nur dort,...
Aachen, Grenzlandtheater
26. Schmitt, Enigma
R. Daniel Kuschewsk
Aachen, Theater
10. nach Jensen, Adams Äpfel
R. Sebastian Martin
18. Bowie und Walsh, Lazarus
R. Christian von Treskow
Aalen, Theater der Stadt
25. Benzine, Der Zorn der Feiglinge
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
24. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog
R. Caro Thum (Gera)
29. nach...
Man sitzt auf rotem Samt im Cuvilliéstheater, feinstes Rokoko aus dem 18. Jahrhundert, vorrevolutionär versteht sich, als Fürsten die Kunst gern noch zum Spiegel ihrer Herrlichkeit erklärten. Auf der Bühne vorn an der Rampe aufgereiht vier rote Polsterstühle wie in den Logen, dahinter schwebt eine dunkle Wand, mindestens fünf mal fünf Meter, aus...
