Bremen: Menschen im Nest
Die Tochter ist nicht glücklich mit ihrer neuen Heimat: Die Eltern, Deutschtürken der zweiten Generation, sind mit ihr wie jedes Jahr in den Ferien nach Adana in die Südtürkei gefahren, ins Eigenheim «in der Nähe einer Airbase», um ihr am letzten Urlaubstag zu eröffnen, dass es nicht zurück nach Deutschland gehen wird. Die Mutter macht eine Physiotherapiepraxis auf, der Vater will Solarpanele verkaufen, in Zeiten des Klimawandels ein vorgeblich sicheres Geschäftsmodell.
Fortan sumpft die Kleinfamilie in der Gated Community nahe des Luftwaffenstützpunkts Incirlik zwischen gelifteten Soldatenfrauen. Die Tochter nähert sich einem Piloten an, ununterbrochen werfen amerikanische Frachtflugzeuge Schatten auf die Siedlung, und an einer Bushaltestelle explodiert eine Bombe.
Akin Sipals «Ein Haus in der Nähe einer Airbase» basiert auf seinem zwei Jahre alten Filmessay «Baba Evi». Der Autor verknüpft hier das Motiv des Hauses mit der Konstruktion Familie, das gemeinsame Heim als steingewordenes Mahnmal einer brüchigen Solidargemeinschaft in Zeiten der Migrationsgesellschaft. «Das Haus meiner Väter in Adana ist ein generationenübergreifendes Friedensangebot», heißt es im Film. Im ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
In einer Regieanweisung zu Pirandellos bekanntestem Stück heißt es, man solle versuchen, dass die Personen, die den Autor suchen, nicht mit der Schauspieltruppe verwechselt werden können. Regisseur Moritz Sostmann hat sich dies offenbar sehr zu Herzen genommen. Er ersetzt die suchenden Personen allesamt durch Puppen, die von Puppenspielern geführt werden, und lässt...
Unmittelbar vor der Pause tanzt eine aus der Reihe: Kathleen Morgeneyer, zwei Stunden lang ein aufgekratztes Hühnchen auf der Suche nach ein bisschen Leidenschaft, nimmt sich ihren Auftritt, reißt sich den goldenen Lametta-Fummel vom Körper und tritt im roten Licht halbnackt an die Rampe, schwarze Troddeln an der Brust und tiefe Verzweiflung in der Stimme:...
Ich traf ihn – Wilfried Minks – in Berlin, wenige Tage vor der Premiere zu Hochhuths «Soldaten», er machte dort das Bühnenbild. Man hatte munkeln gehört, dass der Autor nicht gerade entzückt gewesen sei, als er bei den Proben zum ersten Mal Minks’ Bühne sah, er hatte sich, man kann das auf vielen Seiten Szenen-Beschreibung in der Buchausgabe nachlesen, alles viel...
