Die besonders All­gemeinen

Was wäre heute ein Jedermann oder -frau? Dramatische Erklärungs­versuche mit Yael Ronens «Gutmenschen», Michel Decars «Philipp Lahm» und Ferdinand Schmalz’ «jedermann (stirbt)»

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Lifestyle-Bloggerin Maryam ist durchaus zu Kompromissen bereit. Zwar nicht, wenn es darum geht, sich die Milch für die dreijährige Tochter Delete abpumpen zu lassen, die immer noch gestillt wird. Auch nicht, wenn es um das abgelehnte Asylgesuch ihres Cousins Yousef geht, der überraschend abgeschoben werden soll. Aber an einer gutbezahlten Realityshow über «Gutmenschen» von «Servus TV», dem Haussender von «Red Bull»-Chef Dietrich Mateschitz, die moralfeste urbane Hipster der Lächerlichkeit preisgeben soll, nimmt sie gerne teil.

Auch wenn sie die Sache mit der Lächerlichkeit natürlich anders sieht.

Die großen und kleinen Widersprüche im Leben der jungen urbanen Bohème-Eliten waren schon das Thema in «Lost and Found», Yael Ronens Vorgängerinszenierung am Wiener Volkstheater 2015. Da war eine weitverzweigte Patchwork-Familie um Maryam und ihren schwulen Freund Schnute, mit dem sie per Inseminationsspritze eine Tocher gezeugt hat, in ihrem politisch korrekten Alltag gehörig außer Tritt geraten: Plötzlich stand der entfernt verwandte Yousef vor der Tür, gerade frisch aus dem Irak geflüchtet. In «Gutmenschen» wohnt besagter Cousin immer noch im Kinderzimmer von Maryams älterem Sohn, dessen ...

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Theater heute April 2018
Rubrik: Neue Stücke, Seite 27
von Franz Wille

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