Braunschweig: Modellierte Emotionen
Der Professor aus Syrien will nicht in Deutschland begraben werden. Obwohl er seit 30 Jahren in Braunschweig lebt, haben ihm die Behörden nicht erlaubt, seinen Vater zu einem Besuch einzuladen. Jetzt steht der Mann mit dem altmodischen Sakko wütend auf einem Steg über der Raumbühne und protestiert «gegen diese Behandlung».
Der Professor ist kein echter Wissenschaftler, sondern wird vom Staatstheater-Schauspieler Mattias Schamberger gespielt.
Denn das Theater-Kollektiv werkgruppe2 verzichtet im Gegensatz zu den großen Kollegen von Rimini Protokoll darauf, Experten des Alltags vor den Zuschauern auszustellen.
Monatelang haben die Regisseurin Julia Roesler und die Dramaturgin Silke Merzhäuser in Braunschweig mit Migranten gesprochen, mit Wissenschaftlern an der technischen Universität und mit Flüchtlingen aus der größten Anlaufstelle in Niedersachsen. Aus den Interview-Protokollen haben sie diesen Abend gebaut, an dem Schauspieler Menschen spielen, die tatsächlich in der Stadt leben.
Zum Beispiel die junge Syrerin Elisa, die vom Tabuthema Sex in ihrer Heimat erzählt. Bis zur Hochzeit wüssten viele Mädchen nichts über die körperliche Liebe, dann seien sie geschockt. In Braunschweig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Alexander Kohlmann
Fritz Kater schlägt in seinem neuen Stück «Buch (5 Ingredientes de la Vida)» den ganz großen Bogen vom Amerika der Nachkriegszeit in die Gegenwart der alten Utopien: der Stückabdruck und die Uraufführung in München
Tadeusz Kantor, vor 100 Jahren geboren, hat mit seinem «Theater des Todes» osteuropäische Rätselwelten des 20. Jahrhunderts geschaffen.
Was sie...
Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...
Esther Boldt Martine Dennewald, Sie haben zuletzt als Dramaturgin und in der Interimsleitung des Mousonturms gearbeitet; zuvor waren Sie Schauspielreferentin bei den Salzburger Festspielen. Was bringen Sie aus Salzburg und Frankfurt mit zum Festival Theaterformen?
Martine Dennewald Mein Adressbuch. (lacht) Ich weiß, was für eine Verantwortung ich trage, das bringe...
