Die will nur spielen
Wenn junge Schauspielerinnen ans Burgtheater engagiert werden, fangen sie üblicherweise erst einmal klein an. Oder sie spielen klassische Jungschauspielerinnenrollen wie Julia oder Luise. Stefanie Reinsperger, damals noch 26, debütierte vergangenen September mit dem fünfzehn Minuten langen Solo eines «schwarzen Negers aus Somalia», der sich wegen Piraterie vor einem Hamburger Gericht verantworten muss.
Der absurd komische und grotesk grausame Monolog, mit dem Wolfram Lotz’ postkolonialistische Farce «Die lächerliche Finsternis» beginnt, ist zwar ein toller Text, aber auch so ziemlich die schwierigste Vorlage, die man sich für ein Debüt vorstellen kann. Nicht nur, dass sich eine bitterernste Witzfigur wie diese nicht so einfach herstellen lässt, muss man sich auch vor den vielen Fallen in Acht nehmen, die in der doppelbödigen Vorlage verborgen sind.
Der junge Mann berichtet davon, wie er und sein bester Freund nicht mehr vom Fischen leben konnten, weil die Meere leergefischt waren, und wie er daraufhin in Mogadischu ein Diplomstudium der Piraterie absolvierte. Und er erzählt von seinem ersten, gründlich misslungenen Kaperversuch, der seinen Freund das Leben gekostet und ihn selbst ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Porträt, Seite 41
von Wolfgang Kralicek
Gott heißt Otto und schläft im Nebenzimmer. Gemeinsam mit seiner Frau Anna (Margarethe Tiesel) betreibt er eine Pension mit vier Dauermietern. Der pensionierte Literaturprofessor Ewgenij Goldwasser (Steffen Höld) wohnt hier, die daueralkoholisierte Kneipenmusikerin Gratsche (Myriam Schröder), die Grundschullehrerin Matuschka (Nicola Kirsch) und der Angestellte Paul...
Zu Beginn ein gut halbstündiges, aufwändiges Herumwirtschaften in düsteren Räumen. Offenbar handelt es sich um Nonnenalltag in einem Kloster: stumme Szenen mit Krankenpflege, Mittagessen, Arbeit im Salatbeet. Alles minutenweise aufblitzend, nur schemenhaft sichtbar hinter halbdurchsichtigem Vorhang, unterbrochen von großem Kulissen-Geschiebe und Gerenne der...
Weitschweifig holt Chronist Gerrit Jansen in spießiger Buchhalter-Kluft vor dem großen Bühnenkarton aus, um die Wurzeln von Parzivals Menschwerdung zu klären. Ausgiebig werden die rastlosen Abenteuer seines flatterhaften Vaters Gahmuret erzählt, den es stets von den Frauen weg- trieb, ehe noch die Kinder geboren wurden. Erst nach und nach illustrieren leicht...
