Stuttgart: Panoptikum der Verlierer
Diese Inszenierung nervt. Sie ist laut, schrill, obszön. Sie veralbert und verschalkt ihre Figuren. Sie übertreibt in ihren Mitteln, scheint kein Maß und keine Sensibilität zu haben. Und doch trifft es die Inszenierung in einem Punkt genau: ein Grundgefühl dafür zu schaffen, was das Leben in Israel und Palästina ausmacht – immer am Abgrund, immer aber auch mitten im Sein. Es kann keine Normalität geben, wo Krieg und Frieden permanent ineinander verschlungen sind.
Aber es gibt menschliche Bedürfnisse, weil eben keine Bestien, sondern Männer und Frauen an diesen Fronten töten, sterben, lieben.
In «Mord», dem jetzt in Stuttgart erstaufgeführten Stück des 1999 verstorbenen israelischen Dramatikers Hanoch Levin, geht es natürlich um den ewig währenden Gewaltkreislauf, aber auch um den unbändigen Wunsch nach Leben, der beide Seiten eint. In einem Reigen von Begegnungen erzählt Levin vom kurzen Glück und langen Unglück, das die Menschen in dieser Region immer wieder befällt. Drei israelische Soldaten haben einen palästinensischen Jungen gefoltert und getötet, weil eben Krieg ist, und der Bote, der den Frieden ausruft, einen Augenblick zu spät kommt. Der Vater des Jungen wird aus Rache ein ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Kristin Becker
Ein riesiger Schacht hat sie geboren. Unter Trommelschlägen. Aus dem kleinen Lichtfenster am fernen Ende trollen sie heran, die Hexen, die Soldaten, ungeschieden, «foul is fair and fair is foul». Leiber über Leiber, Atem zwischen Atmen, Hecheln, Röcheln. Ein Körperknäuel rollt Tilmann Köhler an den Anfang seiner «Macbeth»-Inszenierung am Deutschen Theater Berlin....
Am 16. März starb in Basel im 89. Lebensjahr der Schauspieler Buddy Elias. Sein letzter Hauptberuf war von 1996 an die Präsidentschaft des vom Vater Anne Franks 1963 in Basel gegründeten Fonds. Nach dem Tod seines Onkels Otto Frank betrachtete der Schauspieler die Erinnerung an seine Cousine und deren Geschichte als seine zentrale Lebensaufgabe; er verstand die...
Nein, dieser Weg ist nicht das Ziel. Eher das Gegenteil, ein zugiger Durchgangsort, an dem jeder, der hier gestrandet ist, so schnell wie möglich weiter will. Man kann das als handfeste Gesellschaftskritik zum Thema Flüchtlingspolitik verstehen oder auch eher poetisch-prinzipiell. «Camino Real», so der Titel von Tennessee Williams’ surrealer Szenenfolge, ist der...
