Braun verbrannt

George Tabori «Mein Kampf»

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Mit seinen langen, zotteligen Haaren sieht der junge Mann (Philipp Grimm), der sich da am Esstisch des hell und schlicht ausgestatteten Männerwohnheims als Hitler vorstellt, beinah aus wie eine Jesus-Karikatur. Oder wie ein junger Student auf dem Selbstfindungstrip. Ein schwer verunsicherter allerdings, einer, der sich aus einem innigen Verhältnis mit der Mutter und einem schweren Konflikt mit dem Vater in die Kunst geflüchtet hat. Seine Mappe mit kitschigen Aquarellen im Zwielicht trägt er immer bei sich, sie ist das einzige, an das er sich klammert.

Schwer zu glauben, dass dieser anstregende Typ, der so verspannt ist, dass er sich immer wieder zum Kacken mitten auf die Bühne hockt, ausgerechnet in dem unaufgeregten, im Schlabberlook agierenden Juden Schlomo (Hans-Werner Leupelt) einen väterlichen Freund und Unterstützer findet. Und umso tragischer, dass es erst dieser gutmütige Kerl ist, der Hitler die Langhaarmähne und den ausufernden Bart abrasiert und ihn mit angegelten Haaren und dem nur allzu bekannten Bärtchen für die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule tauglich macht.

Und zum ersten Mal den diabolischen Hass seines Schützlings auf sich zieht, als dieser nach der ...

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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Braunschweig, Seite 65
von Alexander Kohlmann

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