Bloß nicht nachdenken
Die Tür klemmt, fliegt dann mit einem Ruck auf, ein Knäuel Personen poltert in die leere Altbauwohnung, die Letzte bleibt mit ihrer Handtasche am Türknauf hängen.
Huch! In der ersten Sekunde ist eigentlich alles klar über diesen Abend, «Der Haken», uraufgeführt am Schauspiel Bonn in der Regie von Roland Riebeling: Schauspielerisch sind alle ständig etwas drüber, große Augen, große Gesten, so wie man sich am Theater eine Sitcom vorstellt; Kostüm- und Bühnenbild (Nini von Selzam, Tom Musch) sind auf biedere Art witzig, Beispiel Schranktür, die wiederholt aufspringt und den Blick auf gehortetes Klopapier freigibt; die überschaubare Handlung kombiniert kalkuliert ein Aufregerthema, hier die Wohnungsnot, mit möglichst vielen Boulevardelementen.
Der größte Haken in der Storyline ist nicht der pflegebedürftige alte Vermieter der Wohnung, die im Stück von Sarah Nemitz und Lutz Hübner 110 Minuten lang besichtig wird. Sondern dass hier Menschen über den Wohnungsmarkt schreiben, die, so scheint es, lange keine Wohnung mehr suchen mussten. Anders ist schwer zu erklären, mit welcher Arroganz und Penetranz die Interessent:innen den nerdigen Vokuhila-Neffen des Vermieters mit Fragen in die Enge ...
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Theater heute März 2023
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Cornelia Fiedler
Das Thema mag noch so groß sein, der Text noch so brillant, die Regie noch so originell – ob ein Stück auf der Bühne funktioniert oder nicht, hängt vom Ensemble ab. Und da ist dem Staatstheater Karlsruhe bei der deutschsprachigen Erstaufführung der absurden Komödie «Hir» ein Glücksgriff gelungen. Zwei junge Neuzugänge (Jannik Görger und Rumo Wehrli) und zwei...
Da steht es, das vielgepriesene Werk. Hoch auf der Statue, wie ein Denkmal. Die Taschenbuchausgabe von Albert Camus, «L’Étranger», «Der Fremde». Immer noch einen Gipsblock schichten die Schauspieler auf, um das Werk des Nobelpreisträgers in schwindelerregende Höhen zu hieven. Aber steht es da richtig, so weit oben?
Nein, sagt Mounir Margoum. Camus schreibt,...
Abermals ein verpasster Aufbruch. Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg bleiben nicht über 2024 hinaus am Schauspielhaus Zürich. Zuletzt erwiesen sich ihre Verlängerungsverhandlungen mit dem Verwaltungsrat und der Stadt als derart zäh, dass man sich eine gemeinsame Zukunft nicht mehr vorstellen mag. «Leider konnten wir uns trotz großem Bemühen auf allen Seiten...
